200 Jahre Henneberger Adel in unserer Ortsgeschichte

Ein Bericht von Willimar Jung.

Ein Zweig des Adelsgeschlechts derer von Reckrodt war 200 Jahre Lehensträger des Viernauer Hofs. Beleuchtet werden einige der Familienmitglieder sowie die Entwicklung des Gutes unter ihnen und nach deren Ableben. Und was heute vom Geschlecht noch zeugt.

1. Der Henneberger Adel

Der Henneberger Adel war im Mittelalter überaus groß und sehr verzweigt in der Zahl seiner Angehörigen. Durch ständige Verleihung neuer Lehen an aufstrebende Mannen ketteten die Henneberger Grafen viele Edelleute samt derer Dienstmänner an sich und schufen somit einen Adelsstand, der in politischen und wirtschaftlichen Dingen bei der Machtausübung treu an ihrer Seite stand.

Die von Reckrodt waren ein altes Adelsgeschlecht und hatten ihren Stammsitz seit dem 15. Jahrhundert nach dem Aussterben der »Brandenburger Dynastie« auf der »Unterburg« der Brandenburg bei Herleshausen/Werra. Es war weit verzweigt und stand in verschiedenen hessischen und thüringischen Herrscherdiensten.

Die östliche »Oberburg« war im Besitz der Herren von Herda. Die Burg war bis Mitte des Dreißigjährigen Krieges bewohnt, wurde dann verlassen und ist heute nur noch eine Ruine.

Für unsere Heimatgeschichte ist nur die Viernauer Linie der Reckrodts, als Lehensträger Henneberger Besitzes, von Interesse. Sie wurde spät geadelt und stand im Dienste Henneberg-Schleusingen.

2. Reckrodts in Viernau

2.1. Bastian von Reckrodt

Im Jahre 1537 erhielt ein Freiherr Bastian von Reckrodt und seine Gemahlin Magdalena von Madlinge vom hennebergischen Grafenhaus Schleusinger Linie – von Wilhelm IV – einen Lehnsbrief, welcher u.a. besagte »daß er ein festes freies Haus zu Firnawe mit aller und jeder hergebrachter Gerechtigkeit, herrlichen Schäfereyen, Äcker, Wiesen und Weiden im Dorf und Felde gelegen samt allem zu- und angehörigen, nichts davon ausgenommen von uns zu Lehen empfangen, 300 Gulden zu bekommen und nach seinem Tod und Abgang Magdalena das Gut haben solle.«

Es war wahrscheinlich der verwaiste Lehnhof des Jörg Dytzel, welcher an das Grafenhaus zurückgefallen war. Der Hof hatte im Kriegsfalle zwei gerüstete Pferde zu stellen.

Am 27. Dezember 1583 verstarb Graf Georg Ernst (Henneberg/Schleusinger Linie) auf dem Gute seines adligen Lehnsmannes Burkhard Hermann Trott im Dorfe Henneberg, direkt unterhalb der alten Stammburg seines Geschlechtes, im Alter von 72 Jahren. So endete ein über 500-jähriges$kapitel im Lande südlich des Rennsteigs da, wo es auch einst seinen Anfang genommen hatte.

Als am 7. Januar 1584 der letzte Henneberger Graf Georg Ernst in Schleusingen beigesetzt wird, ist unter den Zwölfen von Adel, welche den Sarg des Grafen zur Kapelle tragen, neben Bastian von Reckrodt, auch sein Sohn, der Ritter Mangold auf Viernau gesessen. Mangold von Reckrodt war um diese Zeit Amtmann auf Schloß Maßfeld.

Die Henneberger betrachteten ihren Adel als landsässig und zwangen widersätzliche Edelleute zum Widerruf ihres Eintrages in die Rittermatrikel. Trotzdem trugen sich hinter ihrem Rücken im Jahre 1577 viele Familien in die Liste der »befreiten Ritterschaft« ein. So werden in dieser Liste auch die Reckrodts zu Viernau aufgeführt.

2.2. Mangold von Reckrodt

Mangold von Reckrodt heiratete im Jahre 1580 eine Sybille von Zimmern. Bei seinem Tode 1594 hinterließ er vier Söhne und eine Tochter. Als seine Gemahlin 1622 starb, waren nur noch die beiden Junker Adam Wilhelm und Georg Hermann am Leben, welche das Gut anfangs gemeinsam verwalteten. Als adliger Hof war es im Umfang und Wert als recht bescheiden zu bezeichnen. Über die Tochter und später von dem Junker Adam Wilhelm sind keine Aufzeichnungen vorhanden.

Bereits zur Zeit des Mangold von Reckrodt stand es um den Hof in Viernau nicht gut. Am 13. August 1577 bezeugte der Amtmann Mangold von Reckrodt im Beisein von vier Zeugen auf Schloß Maßfeld, daß sein Vater zehn Hintersiedlerhäuslein in Viernau getauscht hat. Zwei davon sind unbewohnt, sollen abgerissen und verkauft werden. Hierüber muß ein Schein (Dokument mit den vier Zeugenunterschriften) an das Gericht in Benshausen gesandt werden. Es sind wahrscheinlich die zehn Häuslein, welche in den Punkten 1 und 2 der Teilungsurkunde vom 31. Oktober 1584 – Viernau betreffend – erwähnt werden. Dort heißt es: »Sachsen hat daselbst einen Bauhof… auf dem selbigen Hof sind 10 Häuser in Vorzeiten erbauet…«

Daß Mangold von Reckrodt wenig auf seinem Hof in Viernau war, zeigt ein Ausschnitt aus der Leichenpredigt des Viernauer Pfarrer Glümper von 1622 bei der Beerdigung der Sybille von Reckrodt – seiner Ehefrau – in der es heißt: »der Wol Edle und Veste Hofjunker Mangold / welcher wegen seiner Adligen Tugenden und Mannlichen Thaten / daß er sich in 16 Kriegszügen Rittermäßig verhalten / weit und breit berühmt gewest.«

2.3. Georg Hermann von Reckrodt

In einem Erbstreit im Jahre 1626 mit der Witwe seines Bruders Adam Wilhelm ist Georg Hermann von Reckrodt alleiniger Inhaber des Gutes.

In einer hennebergischen Jagdangelegenheit läuft um 1630 ein Strafverfahren gegen von Reckrodt zu Viernau wegen bei einer Hetzjagd verursachten, größeren Feldschäden.

In einem weiteren Erbstreit im Jahre 1637, wegen eines Lehnhauses mit den Erben einer Witwe Döll, geht Georg Hermann von Reckrodt als Gewinner hervor.

Im Jahre 1657 beklagte sich der Viernauer Pfarrer Tobias Freund in Meiningen darüber, daß der Junker Georg Hermann 9 Pf. Opfer zu Bartholomäi nicht gebe. Er wurde daraufhin von der Regierung beauflagt, »seinen Beitrag zur Pfarrerbesoldung samt den Seinen zu leisten.« Das Lehngut hatte im Jahre 1659 immer wiederkehrend 22 Thaler, 17 Groschen, 3 Pfennige Steuern aufzubringen.

3. Größe und Güte des Reckrodtschen Gutes

Davon berichten zwei Urkunden. Die erste, in der genauen Jahreszahl nicht feststellbar, stammt aus der Zeit nach 1574 aber vor 1631: »Der Hof Virnaw am Thüringisch Walde nicht weitt von Hallenbergk, davon dem Landgraf keinen Theil, hatt 150 Äcker auf drei Feldern, solche etwas bergicht und sandigt sein, auch sehr im Wildschaden liegen. Die Schäfferei Virnaw ist mit 400 Schafen im Winter beleget. Ist Voltten Düren von Kleinen Schmalkalden Anno 1570 bis auf der Herrschaft wiederkunft auf den halben Theil eingethan, das er alle Früchte so beerndt werden mit der Herrschaft im Felde teilen muß, gibt ohne Samen: 10 Malter Korn, 2 Malter Gerste, 11 Malter Hafer zur Hälft, so lasset man ihn 26 Acker Wiesewachs abfahren. In vergangnen drei Jahren hat das die Herrschaft bekommen, wenn mans auf ein Jahr ableitet.«

Die zweite Urkunde über den Hof stammt aus dem Jahre 1659: »140 Äcker, 48 Gärten Antlandt in dreyen feldern, 51 ¾ Acker Wiesenmahß, wovon 15 ¼ Acker zur Schäferei gehören. Der Hof hat keine Frondienste, außer, daß etliche Untertanen das Heu von 15 Ackern auf die Schäferei fahren müssen. Diese hat im Winter 250, im Sommer 350 Stück.»

Erschreckend ungünstig lautet das Urteil der Urkunde über den Wert des Landes: »Daß so wenig gedreyde auß dem Hofe zu Virnau erwachßen, auch zu Zeiten wie Rechnung und deren Extracte Besagen, ein gar geringes über den Samen ertragen, rühret dahero, daß die winterfelder sehr schurf und frisset bey Starke Kälte der Schnee die frucht meist hinweg. So liegen die acker an Bergen, dannenhero bey dürren Jahren auch die Sommer Frucht nicht zu gerathen pfleget. Es ist auch in vorigen Jahren die Schäferei nicht beschlagen gewesen, dannenhero die äcker kein Hülff gehabt.«

Mit dem Hof gehts abwärts. Ein Aktenstück aus dem Jahre 1679 berichtet, daß die Witwe des Junker Georg Hermann, Juliane von Reckrodt auf Viernau 120 Thaler von Herrn Anton Vollbrecht von Codewald und Wernshausen geliehen hat und dafür 9 Malter Hafer und 2 Malter Korn als jährlichen Zins verpfändet.

Der Hof hatte inzwischen die Schäferei auf 500 Tiere erweitert. Daraufhin wendet sich der Amtmann des Amtes Hallenberg am 11. Mai 1687 an die hessische Regierung in Kassel und fragt in einem Schreiben an, wie er sich betr. Hutgerechtigkeit der herrschaftlichen Schäferei der Frau Juliane von Reckrodt, deren Grundbesitz sächsisches Territorium war, verhalten soll, da sie ihre Herde auf die Flächen seiner Amtsdörfer Herges und Bermbach treibt und sie mehr Schafe als im Lehnbrief festgelegt, besitzt. Er teilt weiter mit, daß er den herrschaftlichen Schäfer gepfändet hat. Daraufhin teilt ihm die hessische Regierung mit, daß er sich rechtsmäßig, betr. Pfändung, verhalten hat.

In der Folgezeit verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage des Gutes weiter. Der Sohn der Juliane von Reckrodt, der Junker Karl Philipp von Reckrodt, gewesener Leutnant, ist im Jahre 1706 Besitzer des Gutes. Man hatte ihm in Meiningen eine erledigte Hauptmannstelle angeboten und er will darauf kapitulieren, wozu er aber eine Caution von 3000 Thalern »braucht«. Für diese Summe wollte er sein väterliches Gut einsetzen und bittet den Kurfürst von Sachsen um Consens. Doch es zeigte sich, daß seine verstorbene Mutter bereits eine weitere Schuld von 200 Thalern aufgenommen hatte. Nachdem er im Jahre 1707 doch das Geld aufgetrieben hatte, erhält er den Consens und den $titel eines Hauptmannes.

Von seiner Ehefrau ist leider nichts bekannt – es könnte eine Sophie Juliane Florentine von Reckrodt gewesen sein. Doch als er im Jahre 1748 stirbt, ist ein sechsjähriger Sohn mit dem Namen des Vaters Karl Philipp vorhanden, welcher aber schon im Jahre 1766 im Alter von 24 Jahren unvermählt stirbt.

4. Hinweise im Pfarrarchiv Viernau

4.1. Hinweise von Antonius Schultes

In einem von Antonius Schultes – Pfarrer zu Viernau – im Jahre 1660 umfangreich verfaßten: »In Nomine Jesu-Matricel (amtliches Verzeichnis) zur Kirchen-Pfarr und Schul zu Viernau« beantwortet er die Frage des sächsischen Amtes: »Wie viel jedes Ortes Ritter-Sitz, Edelhöfe und Meyerhöfe hat?« Schultes Antwort: »Ist ein Edel- oder Rittersitz allhier, so von Georg Hermann von Reckrodt an jetze besessen wird, nebenst einem Herrschafts-Hofe und bei jedem eine Schäferey. Wieviel aber Hintersäßler (Hintersiedler) Baustäte und Hufenlandes weiß aber nicht, auch nicht wieviel ein Erbe ist.«

Ein weiterer Hinweis zu derer von Reckrodt und dem Herrschaftshof findet sich in dem erstellten Matricel nicht.

4.2. Hinweise von Richard Hoenen

Aber ich möchte weitere Details anfügen, welcher der Viernauer Pfarrer Richard Hoenen in seiner Amtszeit in Viernau (1949–1969) aus beschädigten und kaum noch lesbaren Eintragungen, wie Tauf- und Sterberegister etc. neu zusammengestellt hat, so u. a. auch über die Viernauer Linie derer von Reckrodt.

Soweit die Eintragungen des Viernauer Pfarrer Richard Hoenen zu der Familie derer von Reckrodt, die 200 Jahre mit Viernau verbunden war.

4.3. Historische Unstimmigkeiten

Anmerkung des Autors

Beim Vergleich beider geschichtlicher bzw. familiären Daten gibt es differenzierte Unterschiede und offene Fragen. Nach dem Viernauer Kirchenregister wurden in der Zeit von 1620–1734 (frühere Daten liegen nicht vor) insgesamt vier Personen der Viernauer Linie von Reckrodt wahrscheinlich in Viernau begraben. Der eigentliche Unterschied aber liegt darin, daß beim Chronisten Georg Neugebauer – als letzter des Geschlechtes der Viernauer Linie – ein Carl Philipp im Jahre 1766 unvermählt stirbt. In unserem Kirchenregister ist aber ein Johann Carl Christoph von Reckrodt – lt. Eintragung – am 17. 5. 1737 begraben worden, im Alter von 30 Jahren, 18 Wochen, 3 Tage mit dem Zusatz: der Letzte dieser Linie!

Persönlich neige ich in diesem Falle dazu, den Aufzeichnungen des Pfarrers Richard Hoenen – betr. »der Letzte dieser Linie« – eine geschichtlich-historische Bedeutung beizumessen. (Eintragungen in Kirchenbücher haben amtlichen Charakter). In diesem Fall wären die von Pfarrer Hoenen u. a. aufgeführten Personen: Carl Philipp von Reckrodt (Hauptmann) und Sophie Juliane Florentine von Reckrodt, geb. von Walderstätten die Eltern des im Jahre 1737 verstorbenen Johann Carl Christoph von Reckrodt gewesen, dessen Taufpate (nach Hoenen) im Jahre 1708 ein Julius Christian Vollbrecht war. Diese Familie hatte bereits 1679 Julia von Reckrodt 120 Thaler Kredit gewährt.

5. Nach den Reckrodts

Nach dem Ableben des letzten Reckrodts wurde das Gut und der Besitz dieser Familie von Sachsen eingezogen und in ein Kammergut umgewandelt. Einen Antrag des Herzogs von Gotha, die Hälfte als Lehen zu übernehmen, wird von der sächsischen Regierung zu Dresden abgelehnt.

5.1. Neue Pächter bis zur Auflösung

Aus den Aufzeichnungen des Viernauer Pfarrer Hoenen ist ein Pächter des Gutes ersichtlich. Die Eintragung lautet: »Johann Wolfgang Hellmann, geb. 30. 12. 1696, gest. am 23. 10. 1760 als adliger Schäfer und herrschaftlicher Pächter auf dem hiesigen königl. Cammergut.« In weiteren Aufzeichnungen im Kirchenregister Viernau werden 1733 Caspar Marr als adliger Schäfersknecht und 1744 Ernst Schröder als Schäfer auf dem adligen Gute genannt.

Unter preußischer Verwaltung – ab dem Jahre 1815 – erscheinen neue Pächter. Von dem Jahre 1815–1823 wird ein Amtsgerichtsrat Straßburger und vom Jahre 1823–1829 ein Baron Grießheim zu Rohr als Zeitpächter des ehemaligen Reckrodtschen Gutes und des jetzt dazu gehörenden hiesigen Domänengutes (Vorwerk von Kühndorf) genannt.

5.2. Verkauf an Landarme

Das Reckrodtsche Gut und das ehemalige hiesige Domänen-Gut (Vorwerk), einschließlich der Liegenschaften, wurden am 7. Mai 1828 von dem damaligen Schulzen Caspar Henkel und seinen zwölf Consorten für 12836 Thaler, 2 Groschen, 11 Pfennig gekauft und an die Dorfbewohner weiter veräußert. Der Kaufpreis über 12000 Thaler war verhältnismäßig hoch, schätzte doch die Meininger Regierung in einer Urkunde aus dem Jahre 1706 den Wert der Liegenschaften auf 3-4000 Thaler, jedoch konnten nun auch die ärmsten Bewohner unseres Ortes endlich etwas Land erwerben. Die Hypothek für den Kauf der Immobilie wurde durch den Schulzen Caspar Henkel in Benshausen bei einem Weinhändler Grimm aufgenommen und später getilgt.

Größe des Kammerguts

Das Kgl. Domänengut und das dazugehörende Reckrodt’sche Gut umfaßten 204 Morgen, 138 Quadratruten, 25 Quadratfuß nutzbaren Acker; 8 Morgen, 22 Quadratruten, 78 Quadratfuß Lehden (wüst liegendes, früher bebautes Grundstück); 62 Morgen, 44 Quadratruten, 49 Quadratfuß Wiesen und 3 Morgen, 50 Quadratruten, 49 Quadratfuß Gärten.

Der Schäfer von Viernau hatte nach alten zentischen Gerechtssamen weiterhin die Hutberechtigung in der Hergeser Flur, entlang der Grenze, was zu vielen Streitigkeiten Anlaß gab und erst im Jahre 1887 von Seiten der Gemeinde Herges-Hallenberg mit 300 Mark Entschädigung abgelöst wurde. Die Landwirtschaft blieb in unserem Ort, bis auf wenige Ausnahmen, bäuerlicher Nebenverdienst.

6. Zeugnisse in heutiger Zeit

Kein Epitaph oder Erbbegräbnis, kein Relief oder Wappen gibt Kunde von dem einstigen Geschlecht derer von Reckrodt, welche 200 Jahre mit Viernau verbunden waren. Lediglich ein Grabstein in der Sakristei der Viernauer Kirche stehend, zeigt im oberen Teil ein geschnörkeltes Monogramm mit einem deutlich geschnörkelten R. Der Anfangsbuchstabe allerdings, auch in kunstvoller antiquierten Schnörkelschrift in den Stein gebracht, ist nicht einwandfrei deutbar. Es könnte sich um ein C oder G oder auch um ein S handeln (Carl, Georg oder Sybille) oder auch ein J (Juliane).

Vermutlich müßte dieser Grabstein von den Letzten der Viernauer Linie, also nach der Eintragung im Kirchenbuch Viernau von Johann Carl Christoph von Reckrodt sein. Die Geschichtsquellen unserer Heimat schweigen jedoch über dieses letzte$kapitel derer von Reckrodt, Viernauer Linie.

Lediglich blieben als Zeuge vergangener Zeiten (von den beiden 1828 aufgelösten Gütern) die Namen »Herrenhof« und »Herrengarten« erhalten, ferner das Gemäuer des zu einem Handwerksbetrieb umgestalteten »Schafstall« sowie der heute noch laufende »Schafbrunnen Das alte Hirtenhaus wurde leider abgerissen.

7. Geschichtliche Bemerkungen

7.1. Zur Familie Anton Vollbrecht

Die in der Aufzeichnung erwähnte Familie Anton Vollbrecht hatte ihren Wohnsitz in Wernshausen. In einer Aufzeichnung über »die Wölfe von Todewart« werden sie auch als Anton Vollbrecht Wolf von Todewart erwähnt. Dieses adlige Geschlecht wurde 1515 vom Hennebergischen Grafen Wilhelm IV. mit der 1417 erbauten Todewart – gelegen zwischen Fambach und Wernshausen – belehnt und bestand 1664 aus drei männlichen Linien. Der ältere Sohn hatte seinen Wohnsitz in Wernshausen, der mittlere Adam Vollbrecht auf der Todewart und der jüngste Fridericus in Schmalkalden.

Ein Grabstein mit dem Wappen der Familie befindet sich in der Kirche zu Wernshausen.

7.2. Zu Voltten Düren zu Kleinen Schmalkalden

Der Ort Kleinschmalkalden war einst ein zweiherriger Ort. Er war eine Tochtergründung von Brotterode und gehörte zur Herrschaft Schmalkalden. Im 16. Jahrhundert entstand an der östlichen Bachseite des Ortes eine kleine Ansiedlung, welche territorial zu Sachsen-Gotha gehörte. Hier hatten die Landgrafen von Thüringen im Mittelalter großen Waldbesitz und die Jagd.

Der Namen Düren ist als Ableitung von Thüringen zu bewerten.

In Kleinschmalkalden heißt dieser Ortsteil heute noch der Doerntsche Boden nach Aussagen der Chronisten Helmut Köllner und Joachim Heusing.