Einige Pfarrbesoldungen vergangener Zeit

Ein Bericht von Willimar Jung.

Die übliche Pfarrbesoldung im 17. Jhd., aus vielen Naturalien und wenig Geld bestehend, war mehr schlecht als recht.

Bereits 1634 hatte der damalige Pfarrer Johann Wendel an die Räte zu Meiningen berichtet, »daß die hiesige Pfarrbesoldung fast gering und schlecht sei, sodaß ich oft neben meinem Weib und kleinen Kindlein mit dem Propheten Elias mit einem Stück Brot und einer Kanne Wasser vorlieb nehmen muß, und somit samt den meinen kaum das Leben davon erhalten kann.« Seine Bitte um »anderweite Beförderung oder Beysteuer« verhallte aber ungehört, und so wandte er sich noch im selben Jahre von Viernau fort. Er hat die neue Besoldung, die 1636 in Kraft trat, nicht mehr hier erlebt. Nach dieser erhielt der Pfarrer »86 Thaler bahren Geldes, 3/8 Korn, 15 Klafter Büchenholz, 9 Schock reißig, 3 Hünner und 8 Schock Eyer.« Die zweite aus dem Jahre 1659 ist noch genauer, hiernach erhielt der Pfarrer »bar 51 Thaler, 17 Groschen, wovon ins Pfarrbuch 2 Th. 2 Gr. 4 Pf. abgingen, ferner 15 Klafter Holz, 2 ½ Malter Korn und folgende Opfer: Zu jedem Feste je 3 Gr., oder 1 neuen Pf. = 5 Th., Bartholomäi und Michaelis von jedem Confitenten (Beichtkind) 1 Schilling, von jedem Hauswirt einen und jeder Wittib ½ Schreckenberger = 20 Th. sowie für 4 Pfarrlehne je 1 Schilling. Jede Hochzeit brachte von dem Bräutigam 1 Kopfstück ein und von der Braut Suppe, Fleisch und ¼ Bier. Der Pfarrer mußte mit seiner Frau im Hochzeitshaus bewirtet werden, wenn nicht, kam alle Mahlzeit ins Haus. Für die Taufe erhielt er 1 Kopfstück von den Gevattern (Paten), ebenso vom Kindsvater oder er geht mit zur Mahlzeit! Die Leichenpredigt endlich kostete 2 Kopfstücke«.

Es waren also viele kleine Beträge, aus denen sich damals die Besoldung zusammensetzte, sowie viele Naturalien, die je nach der Einstellung des Gebers zum Geistlichen wohl recht verschieden ausfielen! Es war daher kein Wunder, daß das Bestreben der Pfarrer dahin ging, die Naturalien soweit als möglich auszuschalten und durch Barbezüge zu ersetzen. 1663 in einem Matricul heißt es u.a. »Vier Opfer hat der Pfarrer jährlich einzunehmen: Ostern, Pfingsten, Maria Himmelfahrt und Weihnachten. Fünfzehn Klafter Holz nebenst dem Reisig von gnädigster Herrschaft müssen die Nachbarn umsonst hauen und die Gespanne müssen es herein führn ohne Stammgebühr.« 1690, also nach weiteren 60 Jahren, sah daher die Besoldung wesentlich anders aus. An bar erhielt der Pfarrer »100 Th. 4 Gr. 8 ½ Pf., ferner 2 ½ Malter, 2 Maß, 2 Metzen Korn«.

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Autor: Willimar Jung

Veröffentlichung in den Heimatheften