Deutung und Schreibung des Ortsnamens

Ein Bericht von Willimar Jung.

Die Deutung eines Ortsnamen auf seinen Ursprung läßt sich in nur wenigen Fällen genau bestimmen. Das liegt daran, daß im frühen und hohen Mittelalter wenig Urkunden ausgestellt wurden, meistens in lateinischer Sprache, später dann ins Althochdeutsche oder Mittelhochdeutsche übertragen, so daß die Siedlungsgeschichte und Kulturentwicklung der jeweiligen Volksstämme zur Deutung des Ortsnamens beitrugen.

1. Schreibung und Deutung nach Georg Neugebauer

Nach Georg Neugebauer (Ortschronik Viernau):

»Die bei uns allgemein verbreitete Ansicht, der Name Viernau beziehe sich auf vier Auen (Wiesen), man kürzt ihn sogar vielfach mit ›4-nau‹ ab!, muß von vornherein als gänzlich unzutreffend erklärt werden, obgleich Christian Juncker (sächsisch-hennebergischer Historiker 1668–1714) den Namen auf gleiche Weise deutete.«

Nach Juncker:

»Das andere Dorf Viernau, so von vier Auen, zwischen denen das Dorf situieret, welche man auf dasigem Pfarrhofe alle im Gesicht hat, benamstet ist…«

In Wirklichkeit sind nämlich nur drei Auen nachweisbar: nach Herges-Hallenberg, Benshausen und Schwarza zu – Juncker hat wahrscheinlich nur nach dem Hörensagen geurteilt. Vor allem ergibt sich die Unmöglichkeit dieser Deutung nach den vier Auen aus den ältesten Formen des Namens Viernau.

Älteste Dorfnamen, nach den ältesten Urkunden hier aufgereiht:

Vurohinowe (1285)

Furenawe (1373)

Fürinauwe (1380)

Fürenauwe (1392)

Furnawe (1492)

Firnawe (1573)

Virnau (1581)

Virnaw (1589)

Viernau (1781)

Nach Mone, »keltische Forschungen«, 1875, läßt sich die Silbe fur von dem irischen feor (Bach oder Born) ableiten; da ferner auw, aw (althochdeutsch ouwa, neuhochdeutsch ouwe) wäßriges Wiesenland zu setzen ist, so ergäbe die Deutung des Namens Viernau: Ort an einem Bache, der durch wäßriges Wiesenland fließt. (Ähnliche Namen sind: Furbach bei Nassau, Feuerbach »Fiurbach« bei Stuttgart und im Breisgau).

2. Deutung nach Eduard Schneider

Zu einer andern Deutung kommt Schneider in seiner Schrift »Die Orts- und Flurnamen des Kreises Schleusingen«,1920 bezüglich der ersten Worthälfte des Namens. Er leitet fur, vir von dem Neuhochdeutschen vorhe (Föhre, Kiefer (Fuhre)) ab, sodaß der Name Viernaus nach dieser Lesung bedeuten würde: Ort, an Wiesen gelegen, der von Kiefern (auf den Höhen) umgeben ist. Als Vergleichsort führt Schneider an: Fehrenbach bei Eisfeld und Vöhrenbach (Verinbach) bei Villingen.

3. Deutung nach Ernst Fischer

Der bekannte Suhler Heimat- und Keltenforscher Ernst Fischer deutet in seiner Veröffentlichung: »Altstraßen um Suhl« (In Urgeschichte und Heimatforschung Nr. 24) den Ortsnamen Viernau wie folgt: (zum besseren Verständnis den kompletten Abschnitt) »Ein weiterer Abzweig bei Viernau, dessen Spur als Aufstieg an der Seeleite erkennbar ist, scheint die Weideflächen an den Neuhöfer Wiesen zum Ziel zu haben oder auch den Anschluß an den alten Verkehrsweg, der oberhalb von Rotterode über den Gasberg zu einem Gebirgsübergang führt, fälschlicherweise in der Literatur meist als die Moosburg passierend beschrieben. Der älteste faßbare Ortsname von Viernau, Vurohinowe (1285), könnte mit den mittelhochdeutschen vuore (Fahrt, Weg, Fahrweg, Straße) und hinowe (hinauf) auf diesen Wegaufstieg hindeuten.«

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Autor: Willimar Jung

Veröffentlichung in den Heimatheften