Kirche und geistliche Amtsträger in Viernau

Ein Bericht von Willimar Jung.

Die Entwicklung der (katholisch/evangelischen) Kirche in Viernau. Pfarrstelleninhaber.

1. Überblick

In der ältesten Zeit war die Kirche unseres Nachbarorts Ebertshausen die Mutterkirche der ganzen Gegend bis hinter Suhl, zu der bis 1487 sogar Suhl selbst gehört hat. Auch nach der Reformation umfaßte die Kirche zu Ebertshausen noch die Orte Wichtshausen, Dietzhausen, Mäbendorf, Benshausen und Viernau als Vicarien (Filialkirchen), in denen je ein Hilfsgeistlicher als Seelsorger tätig war. Alle 4 Wochen kam der Hauptgeistliche aus Ebertshausen sonntags in die einzelnen Orte um zu predigen und kirchliche Handlungen, wie Hochzeiten und Taufen vorzunehmen, ebenso abwechselnd an den kirchlichen Hauptfesten. Bemerkt sei noch in diesem Zusammenhange, daß Ebertshausen bis 1637 einen eigenen Pfarrer hatte und bis zu diesem Jahre Hauptkirche blieb. Als in diesem Jahre der Pfarrer Johann Zeis starb, wurde die Kirche durch die Nachbarpfarrer bis 1654 mit versorgt.
Von da ab wurde die eigene Pfarrerstelle aufgehoben.
Juncker erwähnt, daß die ältesten Nachrichten der Kirche Viernau bis 1594 zurückreichten, doch sind die älteren Akten durch einen Brand des Pfarrhauses im Jahre 1738 vernichtet worden. Als ältestes kirchliches Aktenstück ist im Staatsarchiv zu Magdeburg ein Lehnsbrief der Gräfin Margarete von Henneberg vorhanden, vom Jahr 1491, den »Zins der Kürmeß von Furenaw betreffend«. Danach erhielt der Vicarius Johannes Schmidt 28 Gulden Kirmeszins, zu dem der Rat der Stadt Schmalkalden, ferner die Orte Suhla, Mels (Mehlis), Wasungen, Stilla (Stillspringen), Hergots (Herges) und Furenaw beizutragen hatten.

2. Chronologische Entwicklung ab 1501

1501 wird die Frühmesse an der Kirche Johannes des Täufers zu Furenaw vom Hennebergischen Grafen erneut verliehen.

1502 bekennen »Schultheiß und Dorffsmeister des Dorffs Furenaw, daß sie für sich und alle ihre Nachkommen die Frühmeß dem würdigen Herrn Appolonary Lanz für 25 Goldgulden Zins für 500 Gulden, die sie von Graf Wilhelm von Henneberg als dem Stifter dieser Frühmesse empfangen haben, wiederkäuflich verkauft haben.«

1509 hat der Kleriker Johann Frobein das Lehn der Frühmesse inne, er verzichtet

1517 darauf. Die Geistlichen wechseln häufig, 1532 tritt Johann Winter ab, ihm folgen noch im selben Jahre Ferdinand Viktor Ruger und Cunrad Heimbrecht.

1547 erfolgt die Reformation der Grafschaft durch Dr. Forster, und dieser ordinierte Heinrich Schmidt als ersten evangelischen Vikarius von Viernau. Nach sieben Jahren, 1555 erfolgt eine Visitation der Grafschaft durch den Superintendenten Chr. Vischer zu Schmalkalden. Schmidt, der noch in Viernau im Amte war, »respondierte nicht wohl, sollte sich in 4 Wochen in Schmalkalden einstellen, und wenn er nicht besser bestehe, enturlaubt werden«. Nach dieser Visitationsakte hatte Viernau damals 72 Häuser, die zu ihm eingepfarrten Orte Herges 40 und Bermbach 10 Häuser. Auch der damalige Pfarrer von Ebertshausen Johann Wirsing mußte sich in Schmalkalden verantworten und einen Revers unterschreiben, in dem es wörtlich hieß: »Treulich un fleißig wie ich vor Gott am jüngsten Tag verantworten will mit heilsamer Lehr und christlichem Wandel, verspreche ich, mich Spielens, Zechens und der Taberne zu enthalten, wenn anders soll der Superintendent mir von Stunde an meinen Dienst aufkündigen.« Er hat noch bis 1560 amtiert.

1577 wird in Viernau Christoph Faulstich als Pfarrer ordiniert.

1581 beklagt sich der Vizepastor Kaspar Xylander zu Viernau, daß die 2 Groschen von jedem Haus in Viernau, Bermbach und Herges seit 20 Jahren nicht gegeben werden, ja der hessische Amtmann habe es sogar verboten für die beiden letzteren Orte. Das Amt Kühndorf hält eine Zulage von 11 Gulden 46 Gr. für »christlich und billig«.

1583–1660 Alle Geistlichen dieses Landes stehen unter dem gemeinschaftlichen Consistorium zu Meiningen und bis 1660 waren die Pfarrer zu Kühndorf zugleich Decane, welche die Aufsicht über die Kirchen und Prediger zu Schwarza, Christes, Viernau, Benshausen, Ebertshausen, Rohr und Dillstädt hatten. Als 1583 der letzte Henneberger die augen für immer geschlossen hatte, wurde

1584, am 31. Oktober zwischen Sachsen und Hessen ein Abschied vereinbart, nachdem Wichtshausen mit Dietzhausen und Mäbendorf bei Sachsen verblieb, während Benshausen und Viernau als Vikarien zu Hessen geschlagen wurden.

1585 ist Jonas Brombach Vicarius von Viernau (Vierenaw), sein Nachfolger ist Valentin Kehr, der 1600 als Pfarrer nach Steinbach-Hallenberg geht. Ihm folgt

1600–1619 Johann Reif (Rivig), der wegen Streitigkeiten mit den Reformierten als Pfarrer abgesetzt wurde (ebenso wie 50 Jahre später Paul Gerhardt in Berlin). Genau wie dieser geriet auch Reif mit seinen 6 Kindern in große Not, er wendet sich nach Albrechts und versucht zunächst vergeblich, durch Eingaben an die Räte zu Meiningen wieder ins Amt zu kommen. An seine Stelle wird Johann Glümper

1619–1623 eingesetzt, der als Verfasser der Leichenpredigt für Sibylle von Reckrodt erwähnt wird. Erst als Glümper 1623 von Viernau weggeht, wird Reif hier wieder als Pfarrer eingesetzt und amtiert von

1624–1632 zum zweiten Male hier bis zu seinem Tode. 1619 war ein Teilungsreceß zwischen Sachsen und Hessen geschlossen worden, in dem Vertrage von Salzungen wurde das Amt Steinbach-Hallenberg gegen Zahlung von 43000 Goldgulden gegen die halbe Cent Benshausen von Sachsen eingetauscht, sodaß nun wieder die ganze Cent Benshausen unter sächsische Herrschaft kam, mit ihr auch Viernau. Wahrscheinlich ist Viernau 1619 auch eine Hauptpfarre geworden.

1632 –1634 amtiert Johann Wendel als Pfarrer, ihm folgt 1634–1650 Johann Ebert und 1651–1655 Tobias Freund.

Er hatte als Feldprediger der hessischen Truppen an der Schlacht bei Lützen teilgenommen. Die weitere Reihe der Viernauer Pfarrer lautet:

1656–1673 Antonius Schultes (sein Grabstein wurde 1920 bei Instandsetzung der Kirche gefunden und ist jetzt an der inneren Ostwand am Eingang zur Taufkapelle angebracht worden)

1674–1679 Johann Samuel Weber

1680–1682 Jakob Mylius

1683–1690 Georg Ernst Schad (auch sein Grabstein wurde gefunden und am gleichen Orte angebracht)

1691–1702 Johann Matthäus Kemmeter, ihn traf auf der Kanzel ein Schlaganfall, an dem er kurz darauf starb

1703–1710 amtierte Pfarrer Johann Sebastian Hanf

1711–1762 Johann Ernst Gubitz, in seiner Zeit brannte 1738 das Pfarrhaus ab, da man unvorsichtigerweise Flachs am Ofen gedörrt hatte. Die Familie Gubitz stammte von diesem Pfarrer ab (ehemals Mühle am Kirchberg)

1763–1764 Basilius David Schlegel

1764–1781 Johann Julian Ripperger

1781–1800 vakant

1800–1822 Johann Wilhelm Rumpel

1822–1830 Pfarrer Eckhardt, Friedrich

1830–1842 Pfarrer Schwarz, Christian

1843–1846 Pfarrer Sonnenschmidt, Heinrich

1847–1860 Pfarrer Suchsland, Heinrich

1861–1864 Pfarrer Urbig, Dr.

1865–1872 Pfarrer Gericke, Ferdinand

1872–1901 Pfarrer Hartung, Karl Julius

1901–1925 Pfarrer Breithaupt, Ernst

1926–1929 Pfarrer Krammisch, Hans

1929–1930 Pfarrer Anz, Hermann

1930–1933 Pfarrer Glaß, Kurt

1933–1943 Pfarrer Blech, Martin

1944–1945 vakant

1945–1948 Pfarrer Hundertmark, Horst

1949–1969 Pfarrer Hoenen, Richard

1969–1974 Pfarrer Ibe, Joachim

1975 vakant

1976–1993 Pfarrer Vater, Eberhard

1993–2005 Pfarrer Buchholtz, Ernst

seit 2005 Pfarrerin Sauer, Silke

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Autor: Willimar Jung

Veröffentlichung in den Heimatheften