Die Grafschaft Henneberg und das Fürstentum Coburg

Ein Bericht von Gerhard Roos.

Eine genaue Beschreibung der Grafschaft Henneberg und des Fürstentums Coburg gibt ein Reiseführer aus dem Jahre 1715 wider.

1. Einleitung

Georg Neugebauer schreibt in seiner Ortschronik 1937:

Am 27. Dezember 1583 starb Graf Georg Ernst, 72-jährig auf seiner Stammburg Henneberg. Er weilte gerade bei seinem Vasallen (Lehnsmann) Hermann von Trott. Mit ihm starb nun auch die letzte Linie der Henneberger aus. Als er am 9. Januar 1584 in der von ihm selbst erbauten Egidienkapelle an der Stadtkirche von Schleusingen beigesetzt wurde, warf man ihm als letzten seines Geschlechts sein gebrochenes Wappen und die Petschaft ins Grab nach.

Bei den Trauerfeierlichkeiten war auch, als einer der Träger, Freiherr Bastian von Reckrodt aus meinem Heimatort dabei. Reckrodt war hier Lehnsmann des Gutes. Diese Familie war 200 Jahre in Viernau ansässig. Ihre Stammburg war die Brandenburg bei Herleshausen in Hessen.

1586 verließ die gräfliche Witwe Elisabeth Schleusingen; aus Dankbarkeit für ihre Stiftungen, 1500 Gulden Kaufpreis für ihr Wohnhaus (Rathaus) und 500 Gulden für die Armen, errichtete ihr die Stadt ein Standbild auf dem Markte, die »Brönjompfer«. Das ist die Brunnenfigur.

Durch diese Eintragung in der Ortschronik von Georg Neugebauer aus dem Jahre 1937 wurde ich auf das Geschlecht der Henneberger neugierig.

Bei meinen Nachforschungen stieß ich auf einen Reiseführer aus dem Jahre 1751 von Johann Georg Hager, der in seinem Buch die Grafschaft der Henneberger und das Fürstentum Coburg um diese Zeit sehr genau beschreibt.

1.1. Anrede im Hagerschen Reiseführer, 1751

Doch bevor ich diesen Beitrag aufschreibe, möchte ich es nicht versäumen, die Anrede zu diesem Buch auszugsweise wörtlich zu übernehmen.

»Dem Hochwürdigen, Magniſico, in Gott andächtigen und Hochgelehrten Herrn, Herrn Johann Gottfried Herrmann, Der Heil. Schrift Doctron, Sr. Königl. Majeſtät in Pohlen und Churfürſtl. Durchl. zu Sachſen Hochverordneten Oberhofpredigern, auch Hochbetrauten Kirchen- und Oberconſiſtorialrathe, meinem inſonders Hochgeſchätzten Gönner und Patron!«

Und so setzt sich die Anrede über drei Seiten lang fort. Eine Untertänigkeit, wie wir es nicht mehr kennen.

1.2. Vorrede im Hagerschen Reiseführer, 1751

Aber die Vorrede (Vorwort) zum Buch fand ich so gut, daß sie in vielem auch auf unsere Zeit noch Anwendung finden könnte. Ich habe diese Vorrede, wie sie Hager geschrieben hat, für uns verständlich und auszugsweise dem Inhalt nach übernommen, nicht aber die Schreibweise.

Geneigte Leſer, nichts iſt nötiger, zugleich aber auch ſchwerer, als ſich ſelbſt erkennen. Bei anderen Menſchen iſt man insgemein ſehr ſcharfſichtig und bei ſich ſelbſt ja faſt gänzlich blind.

Jedoch, wozu ſoll dieſe Ausſchweifung, wird mancher denken? Dazu ſoll ſie dienen, daß ich nun zeigen will, es gehe bei vielen Deutſchen in der Geographie faſt eben ſo zu als wie in der Sittenlehre ein jeder vernünftiger Deutſcher wird mir zugeſtehen müſſen. Es iſt höchſtnötig und nützlich, daß man ſein Vaterland, nämlich Deutſchland, vornehmlich recht erkennen lerne. Man bekümmert ſich vielmehr lieber um auswärtige Länder und Königreiche, als um Deutſchland. Man ſchreibt wohl ganze Folianten (Bücher) von einem Vorgebirge in Afrika oder von einer nicht gar zu wichtigen Inſel in Amerika. Man reiſt nach Frankreich, Engelland und Holland, und in ſeinem Vaterland weiß man kaum die Hauptſtadt ſeines Landes zu nennen. Zu ſeinem nächſten Nachbar kommt man ohnehin nicht leicht, da man doch öfters an einem einzigen Hofe in Deutſchland alles beiſammen antreffen könnte, was man an vielen auswärtigen Höfen einzeln bewundert. Iſt dieſes nicht eine unverantwortliche Unart, welche viele von unſern Mitbürgern an ſich haben. Man verſieht es aber insgemein gleich bei der zarten Jugend, da man ihr von lauter auswärtigen Schönheiten vorſchwatzet, und alles einheimiſche verächtlich machet. Ich führ dieſe bittere, aber doch gerechte Klage nicht ohne Grund. Ich habe bisher bei meinen mündlichen Vorträgen in der Geographie mehr als einmal wahrgenommen, daß Anfänger dieſer Wiſſenſchaft nicht nur die Hauptſtadt von Portugal, Spanien, Frankreich und anderen Königreichen, ſondern auch allerhand ſchöne Sachen von Rom, Constantinopel (Konstantinopel) und dergleichen an den Fingern her zu erzählen gewußt haben. Habe ich aber gefragt, wo der Churfürſt von Bayern oder der Churfürſt von der Pfalz ſein Hoflager habe, ſo habe ich entweder eine irrige oder gar keine Antwort erhalten.

In fremden Ländern ſind wir ſehend und in Deutſchland blind. Es würde mir zu einem beſonderen Vergnügen gereichen, wenn ich bei einigen meiner Landsleute einen Beifall erhielt, daß ſich ein Deutſcher auch um Deutſchland bekümmern ſoll. Ich ſchließ aber dadurch die Erkenntnis anderer Länder nicht aus. Nein, ſo unbillig bin ich nicht. Iſt man in Deutſchland wohl bewandert, ſo kann und ſoll man auch ſeinen Stab weiter fortſetzen. Nur in Deutſchland ſoll ſich ein Deutſcher erſt umſehen.

Es haben ſchon vor mir viele wackere Männer öffentlich bekennet, eine ausführliche, ordentliche Beſchreibung von Deutſchland ſei überaus ſchwer, weil Deutſchland ſehr zahlreich bewohnt und dahero die Anzahl der merkwürdigen Örter in der Tat ſehr groß ſei. Hernach trifft man ungemein viele regierende Herren in Deutſchland an. Alſo hat man auch nur in einem Kreiſe mehr als einen Churfürſten, verſchiedene geiſtliche und weltliche Fürſten, viele Reichsgrafen, eine nicht geringe Anzahl von Reichsſtädten, und endlich eine beträchtlliche Reichsritterſchaft zu merken, deren Länder, Herrſchaften und Güter öfters ſehr zerſtreut und in mehr als in einem Kreiſe herum liegen. Will man die Grenzen dieſer Länder richtig beſtimmen und nicht alles untereinander verwirren, ſondern ſeine Reiſe ordentlich einrichten, ſo muß man in der Tat alle Klugheit zu Rate ziehen.

Ich ſcheue gar nicht, öffentlich zu bekennen, daß mir dieſer Teil vorher berührter Urſachen wegen viele Mühe gemacht hat, welche mir noch dazu einige Landkarten eher vermehret, als vermindert haben. Sollte es jemandem gefallen, mein freimütiges Bekenntnis in Zweifel zu ziehen, oder wohl gar übel auszulegen, der beliebe nur erſt den oberrheiniſchen Kreis, und darinnen in Sonderheit die Landſchaft Elſaß, den fränkiſchen und endlich den oberſächſiſchen Kreis und darinnen die Landgrafſchaft Thüringen in Betrachtung zu ziehen und meine angeſtellte Reiſe und Einrichtung vernünftig und unparteiiſch zu prüfen, ehe er ſich mit ſeinem Urteil übereilet. Ich bin gewiß überzeugt, und die Erfahrung wird auch jeden überzeugen, daß dieſe drei Kreiſe viel leichter beurteilet, als beſſer eingerichtet werden können. Ich leugne es gar nicht, daß ich hier und da einen neuen Schritt gewagt habe: Es wird mir aber angenehm ſein, ja ich will es mit dem verbindlichſten Danke erkennen, wenn man mir beſcheiden anzeigen wird, wo ich den rechten Weg verfehlet habe. Tadeln iſt keine Kunſt, aber beſſer machen iſt eine Kunſt. Sobald aber jemand wirklich eine Verbeſſerung, entweder durch den öffentlichen Druck oder nur ſchriftlich an mich mir bekannt machen wird, der wird mir erlauben, daß ich mich ſelbiger zum Beſten unſres Vaterlandes in Zukunft bedienen darf. Es wäre überhaupt eine vortreffliche Sache, wenn man von einer jeden Grafſchaft, Bistum, Herzogtum, Churfürſtentume oder nur von einem jeden Kreiſe des Reichs eine beſondere und vollſtändige geographiſche Beſchreibung hätte; ſo würde man als denn mit leichter Mühe ein beſſeres Gebäude aufführen können. Man hat zwar von einigen Ländern beſondere Nachrichten: Sie ſind aber noch nicht hinlänglich. Ich habe davon die beſten hin und wieder fleißig gebrauchet. Und wo ich ſie gebrauchet habe, da habe ich auch ſelbigen zu nennen nicht vergeſſen, damit niemand denken darf, als hätte ich meine Nachrichten ſelbſt erdichtet oder nur aus unreinen $quellen geſchöpfet. Die Art und Weiſe meines Vortrages habe ich in dieſem Teile vollkommen wieder beibehalten, wie ich ſelbige in der Vorrede zum Teile deutlich beſchrieben habe, zumal da alle öffentlichen Urteile, an der Hauptſache nichts auszuſetzen vor nötig erachtet haben. Die günſtigen Urteile haben mich nicht hochmütig und das jenige, was man erinnert hat, nicht kleinmütig gemacht, indem es nur Kleinigkeiten betroffen hat.

Und ſoweit ging meine Vorrede, welche ich den 24. März 1747 bei der erſten Auſgabe dieſes zweiten Teiles nunmehro durchgängig verbeſſert und vermehrt erſcheinet, wobei ich mich aber auch zugleich dahin bemühet habe, daß ich lieber mit wenigen Worten viel als mit vielen wenig geſagt habe.

Ich erſuche aber auch alle meine Leſer ganz gehorſamſt mir ferner gütigſt anzuzeigen, wo ſich etwa noch Fehler mit eingeſchlichen haben. Meine Zeit iſt mir zu edel, als daß ich ſelbige mit unnützen Zänkereien über Kleinigkeiten verderben ſoll. Die Ermunterung kluger und beſcheidener Männer wird mich bewegen, Zeit Lebens dahin zu trachten, daß meine Geographie immer vollkommener werden möge. Erhalte ich dieſen Endzweck, ſo habe ich das Ziel meiner Wünſche erreicht. Übrigens empfehle ich mich und meine Arbeit dem gütigen Wohlwollen meiner Leſer.

Chemnitz, den 1. Mai 1751.

Aus diesem Reiseführer möchte ich die genaue Beschreibung der Grafschaft Henneberg und dem Fürstentum Coburg fast wörtlich übernehmen.

2. Grafschaft Henneberg

Sie hat ihren Namen von einem alten Schloſſe gleichen Namens. Es liegt ſelbige neben dem Fürſtentum Coburg zur Linken und grenzet gegen Mittag an Coburg und Würzburg, gegen Abend an Fulda und Heſſencaſſel, gegen Mitternacht an Eiſenach und Gotha und gegen Morgen an Thüringen und Coburg. In der Länge hat dieſe Grafſchaft 12 Meilen und in der Breite 6 Meilen.

Der Hauptfluß iſt die Werra, welche im Coburgiſchen entſpringt und mitten durch das Hennebergiſche flüſſet. Wenn ſich ſelbige bei Minden im Brandenburgiſchen mit der Fulda vereiniget, ſo heißt ſie alsdann die Weſer.

Das Land iſt ziemlich fruchtbar an Getreide, ob es gleich bergig iſt. Man hat verſchiedene Eiſen- und andere Bergwerke.

Die Grafen von Henneberg ſind ſehr alt. Man weiß zuverläſſig, daß ſelbige vom Jahre 770 an eine ziemliche Zeit Henneberg allein beſeſſen, hernach aber die Pflege Coburg dazu bekommen haben. Daß aber Coburg durch eine Vermählung an das Haus Sachſen gekommen ſei. Es haben ſich zwar die Hennebergſichen Grafen in verſchiedene Linien abgeteilet, ſie ſind aber nach und nach ausgeſtorben und der Fürſt Georg Ernſt bekam die ſämtlichen hennebergiſchen Lande wieder zuſammen. Er errichtete auch im Jahre 1554 mit Sachſen und Heſſen eine Erbverbrüderung. Wie nun dieſer Herr im Jahre 1582 ohne mannliche Erben ſtarb, ſo nahm der Churfürſt Auguſt vor ſich und ſeine Mündlinge Herzog Johann Wilhelms Söhne im Jahre 1583 Beſitz von dieſer Grafſchaft, welche auch auf 80 Jahre gemeinſchaftlich beherrſchet wurden. Im Jahre 1660 erfolgte hernach eine Teilung. Da ſich aber das Haus Sachſen in viele Linien wieder zerteilet, ſo iſt auch dieſe Grafſchaft in viele Teile zerſchlagen worden. Und dieſe Zerſchlagung hat in der Geographie viele Schwierigkeiten verurſacht. Ehe wir die Abteilung ſelbſt vor die Hand nehmen, ſo wollen wir uns zuvor um die Religion und den Reichsanſchlag bekümmern Die ſämtlichen Einwohner ſind der evangeliſch-lutheriſchen Religion zugetan, bis auf Schmalkalden, allwo auch die reformierte eingeführet iſt.

Der Reichsanſchlag iſt 15 Mann zu Roß und 44 zu Fuß oder 356 fl. an Gelde und zum Kammergerichte 200 fl.

Und nunmehro müſſen wir uns an die Aufteilung wagen. Beim Anfange des jetzigen Jahrhunderts hatten acht Herren, nämlich 1. Sachſenzeitz, 2. die Grafen von Stollberg, 3. Sachſenweimar, 4. Heſſencaſſel, 5. Sachſenmeiningen, 6. Sachſenröhmhild, 7. Sachſeneiſenach, 8. und der Biſchof zu Fulda Anteile daran. Wir wollen dieſe Abteilung zum Grunde legen, jedoch alſo, daß wir jederzeit anzeigen wollen, was vor Veränderungen dabei vorgefallen ſind.

2.1. Der sachsenzeitzische Teil

Weil der Herzog zu Sachſenzeitz, Moritz Wilhelm im Jahre 1718 ohne männlichen Erben geſtorben, ſo iſt dieſer Anteil dem Churhauſe zugefallen. Die merkwürdigen Oerter treffen wir daſelbſt, wenn wir von Eisfeld in dem Coburgiſchen hinüber reiſen, alſo nacheinander an:

Schleuſingen, lat. Schleuſinga, eine mittelmäßige, jedoch wohl bewohnte Stadt am Fluſſe Schleuſſa mit einem ſchönen Schloſſe und Amt über Eisfeld. Ehedeſſen pflegten die Grafen von Henneberg ſich allhier aufzuhalten. Das hieſige Gymnaſium iſt jederzeit ſehr berühmt geweſen. Es wird von der ganzen Grafſchaft unterhalten, dahero es gemeinſchaftlich beſetzet wird. Der Wilhelmsbrunn iſt ein Geſundbrunnen.

Veſſera oder Verſa, ein ehemals berühmtes Kloſter unter Schleuſingen, wo die Schleuſſa in die Werra fällt. Die Fürſten und Grafen von Henneberg hatten hier ihr Begräbnis. Jetzo iſt eine gute Stutterei daſelbſt. Es ſteht aber nicht auf der Karte.

Suhla, eine offene Stadt und Amt über Schleuſingen am Fluſſe Haſel. Die hieſigen Einwohner ſind zahlreich, welche vortreffliches Gewehr, allerhand Eiſenwerk, Leinwand und Barchent verfertigen. In hieſiger Gegend hat man ſchöne Eiſenbergwerke.

Benshauſen oder Bentzhauſen, ein guter Flecken und Amt unter Suhla zur Linken.

Kühndorf, ein Schloß und Amt von Benshauſen zur Linken.

2.2. Der gräflich-stollbergische Teil

Schwartza, ein Schloß, Dorf und Amt zwiſchen Kühndorf und Benshauſen. Der Graf Heinrich Auguſt von Stollberg von der wernigerodiſchen Linie hielt ſich bis an ſein Ende 1748 allhier auf. Er hat keine männlichen Erben hinterlaſſen.

2.3. Der sachsenweimarische Teil

Der ſachſenweimariſche Anteil beſtand ehe deſſen nur in einer Stadt, ſeit 1741 aber iſt er mit dem ſachſeneiſenachiſchen Anteil vermehret worden, wie wir hernach anführen wollen.

Ilmanau, lat. Ilmenauia, ein Städtchen ohne Mauern mit einem alten Schloſſe und Amt, über Schwarza hinauf an den thüringiſchen Grenzen am Fluſſe Ilm, die hieſigen Bergwerke geben Silber zur Ausbeute. Auf unſerer Karte iſt ſie unſichtbar. Wer ſelbige ſehen will, muß die Karte von Oberſachſen nehmen.

2.4. Der hessencasselische Teil

Der Anteil des Landgrafen von Heſſencaſſel beſtehet aus folgenden Oertern:

Schmalkalden, lat. Smaldaldia, eine berühmte, wohl bewohnte und nahrhafte Stadt am Fluſſe Schmalkalden von Ilmenau zur Linken mit einem ſchönen Bergſchloſſe, welches die Wilhelmsburg heiſet. Die Einwohner verfertigen allerhand Eiſen- und Stahlarbeit, abſonderlich gute Meſſer. In der hieſigen Gegend ſind ergiebige Eiſenwerke. Die Lutheraner und Reformierten verrichten in einer Kirche ihren Gotteſdienſt. In den Geſchichten hat dieſe Stadt ein immerwährendes Andenken, weil daſelbſt im Jahre 1534 der ſchmalkaldiſche Bund errichtet und im Jahre 1537 die ſchmalkaldiſchen Artikel von D. Luther verfertiget worden. Und wem iſt der ſchmalkaldiſche Krieg unbekannt? Man muß ſie auf der Karte von Oberſachſen ſuchen, welches auch von den folgenden Oertern zu beobachten iſt:

Herrenbreitungen, Flecken, Schloß und Amt, welches ehe deſſen ein Leibgedinge der verwitweten Gräfinnen von Henneberg war. Sonſt hieß dieſe Gegend die Herrſchaft Frankenſtein, heut zu Tage iſt dieſe Benennung vergeſſen worden.

Hallenberg, ein Schloß und Amt.

Brotieroda, ein Flecken und Voigtei.

2.5. Der sachsenmeinungische Teil

Das Haus Sachſenmeinungen beſitzet:

Altenſtein, ein Schloß und Amt, liegt eigentlich in Thüringen, dahero es auf der Karte von Oberſachſen nur zu ſehen iſt. Im Jahre 1733 iſt es abgebrannt.

Salzungen, lat. Saltzungia, eine Stadt, Schloß und Amt unter Altenſtein an der Werra, liegt ebenfalls an den thüringiſchen Grenzen, weswegen es auch auf unſerer Karte unſichtbar iſt. Das Schloß heißt die Schnepfenburg. Die guten Salzwerke haben dieſen Ort berühmt gemacht.

Frauenbreitungen, ein altes Schloß, Dorf und Amt unter Salzungen. Es ſtehet, wie Salzungen auf der Karte von Oberſachſen.

Waſungen, lat. Wasunga, ein Städtchen und Amt mit einem alten Schloſſe an der Werra. Nunmehro kommen wir wieder auf unſere Karte. Es liegt dieſes Städtchen über Kühndorf zur Linken. Man bauet guten Tabak in dieſer Gegend.

Meinungen oder Mainungen, lat. Mainunga, eine mittelmäßige und wohl gebaute Stadt am Fluſſe Werra mit einem ſchönen Schloſſe, die Eliſabethen-Burg genannt, woſelbſt die Reſidenz der Herzoge von Sachſenmeinungen iſt. Nach der Verordnung des 1706 verſtorbenen Herzogs Bernhard ſollten deſſen drei Söhne Ernſt Ludwig, Friedrich Wilhelm und Anton Ulrich die Regierung gemeinſchaftlich führen. Es überliefen aber ſelbige die beiden jüngſten Brüder dem älteſten. Nachdem Ernſt Ludwig geſtorben, ſo kam deſſen Sohn Carl. Friedrich Wilhelm iſt den 9. März 1748 ebenfalls geſtorben; der Herzog Anton Ulrich lebt aber noch, und hat nunmehro das Seniorat der Erneſtiniſchen Linie und die völlige Regierung.

Masfeld, jetzo ein Dorf und Amt, ehemals eine gute Feſtung, unter Meinungen an der Werra.

Henneberg, ein altes Schloß unter Masfeld, wovon die ganze Grafſchaft den Nahmen hat. Es iſt aber faſt nichts, als nur der Name davon noch übrig.

2.6. Der sachsenrömhildische Teil

Seitdem das Haus Sachſenrömhild mit dem Herzog Heinrich im Jahre 1710 ausgeſtorben iſt, ſo haben ſich Gotha, Meinungen, Saalfeld und Hildburghauſen darein geteilet. Es beſtand aber dieſer Anteil in

Themar, einem Städtchen und Amt an der Werra über Henneberg zur Rechten, die Einkünfte gehören halb Gotha und halb Saalfeld. Es iſt ein Decanat daſelbſt.

Römhild, eine Stadt und Amt mit einem Schloſſe. Das alte liegt in der Stadt und heißt Glücksburg, das andere außerhalb der Stadt, auf einem Berge, Hartenburg genannt. Meinungen hat zwei Dritteile und Saalfeld ein Drittheil daran.

Behringen oder Bäringen, ein Marktflecken und Amt unweit Römhild, welches unter Meinungen und Hildburghauſen geteilet iſt. Es ſtehet nicht auf der Karte.

2.7. Der sachseneisenachische Teil

Der ſachſeneiſenachiſche Anteil liegt neben Meinungen zur Linken. Seit dem Jahre 1741 hat das weimariſche Haus dieſen Anteil geerbet.

Oſtheim, eine Stadt ganz unten an den würzburgiſchen Grenzen von Henneberg zur Linken. Sie gehöret eigentlich zu folgendem Amte

Lichtenberg, ein Schloß und Amt auf einem Berge unweit Oſtheim. Es ſteht aber nicht auf der Karte.

Sandt oder Sandes, ein Amt über Oſtheim.

Kaltennortheim, lat. Nordhemium frigidum, ein Flecken, Schloß und Amt über Sandt.

Dermbach, ein Schloß über Kaltennortheim, iſt auf der Karte unſichtbar.

Zilbach, ein ſchönes Jagdhaus über Kaltennortheim zur Rechten.

2.8. Der fuldaische Teil

Der Biſchof von Fulda hat ein einziges Amt mit 12 Dörfern.

Fiſchberg, ein altes Schloß, Dorf und Amt an dem fuldaiſchen Gebiete von Kaltennortheim zur Linken. Ein ehemaliger Abt von Fulda hat es an die Grafen von Henneberg verſetzet nach deren Abſterben es an das Haus Sachſen hin gefallen iſt. Es wurde dahero dieſes Amt zum Unterhalte des Gymnaſium zu Schleuſingen beſtimmt. Im Jahre 1707 hat es aber der damalige Abt von Fulda wieder eingelöſet.

3. Fürstentum Coburg

Vorbericht: Das Fürſtentum Coburg gehöret zwar zum oberſächſiſchen Kreiſe, es liegt aber zwiſchen Thüringen., Bamberg, Würzburg und Henneberg und folglich in Franken. Und dieſes iſt auch die Urſache, warum wir es hier mit beſchreiben wollen. Auf der öfters genannten Karte von Franken iſt es ganz deutlich zu ſehen. Man hat aber auch eine beſondere Karte von Gotha, Coburg und Altenburg. Im weitläufigen Verſtande verſtehet man durch Coburg den ſämtlichen hilburhauſiſchen Anteil, im eigentlichen Verſtande aber nur die ſogenannte Pflege von Coburg, welche ungefähr 8 Meilen lang und 4 Meilen breit iſt. Und von dieſer iſt auch hier die Rede.

Die vornehmſten Flüſſe ſind die Steinach, die Itz oder Itſch, die Rodach und die Werra, in welchen man außer anderen Fiſchen ſchöne Lachſe und Forellen findet. Es gibt auch verſchiedene Geſundbrunnen.

Die Fruchtbarkeit des Landes iſt ganz gut. Abſonderlich waren ehedeſſen viele Bergwerke rege. Jetzo gräbt man noch Kupfer und Eiſenerz, Teufelsfinger, Muſcheln, Schnecken, Gips, Marmor und Alabaſter.

In älteſten Zeiten hat dieſe Pflege den Grafen von Henneberg gehöret. Nachdem aber der Graf Poppo XIV. im Jahre 1291 ohne Kinder geſtorben iſt, ſo fiel ſie an den Markgrafen zu Brandenburg Hermann und nach deſſen Tod 1308 wieder an Henneberg. Hierauf vermählte ſich der Landgraf von Thüringen und Markgrafen von Meißen, Friedrich der Streitbare, im Jahre 1346 mit Catharina, einer Gräfin von Henneberg, mit welcher er Coburg zum Brautſchatze bekam, dahero er zu ſagen pflegte, ſeine Gemahlin wäre eine gute Henne, indem ſie ihm eine güldenes Ei geleget habe. Deſſen Enkel Wilhelm hat dieſes Fürſtentum den beiden Söhnen ſeines Bruders Friedrich II. des ſanftmütigen, nämlich Ernſten und Albert vermachet, worauf es Ernſt in der Teilung 1485 bekommen hat. Was vor Veränderungen dieſes Fürſtentums in Anſehung des Landesherrn ferner unterworfen geweſen, davon muß man die Geſchichte zu Rate ziehen. Wir erinnern hier nur ſo viel, daß Albert, ein Sohn des Herzogs Ernſt des Frommen zu Gotha, Coburg zu ſeinem Anteile bekommen habe. Nach deſſen Tode 1699 und nach dem Ableben des Herzogs Chriſtian zu Eiſenberg 1707 und Herzogs Heinrich zu Römhild 1710 iſt zwiſchen den Herren Brüdern und Vettern gothaiſcher Linie ein Streit wegen der Erbfolge entſtanden, welcher zwar 1714 von dem Reichshofrat alſo entſchieden worden, daß der Herzog von Saalfeld zwei Drittel und der Herzog von Meiningen ein Drittel von den Einkünften des coburgiſchen Anteils haben ſollten. Allein, wem die Stadt und das Amt Coburg ſelbſt zufallen ſollte, darüber konnte man doch nicht einig werden. Endlich ſprach ſelbige der kaiſerliche Hof dem Hauſe Saalfeld 1735 zu, worauf den 25. Juli die Einweiſung geſchehen iſt. Es hat ſich dahero der Herzog zu Saalfeld Franz Joſias daſelbſt aufgehalten, welcher nunmehro ſeit dem Tode ſeines Herrn Bruder 1745 regierender Herzog zu Sachſenſaalfeld iſt. er iſt geboren den 25. September 1697 verm. 1723 mit Anna Sophia, Ludwig Friedrichs Fürſtens zu Schwarzburg Rudelſtadt Tochter. Der Herr und das Land iſt der lutheriſchen Religion zugetan. Auf den Reichs- und oberſächſiſchen Kreiſtagen hat dieſes Fürſtentum Sitz und Stimme. Der Reichsanſchlag iſt monatlich 105 fl. 20 Kr. Das Wappen verſparen wir bis wir die Wappen der ſächſiſchen Herzoge beſchreiben werden. Und das Land wollen wir beſchreiben, wie es der Herzog Albert zu Coburg beſeſſen hat, damit wir keinen Fehler in der Abteilung begehen mögen.

Zu Coburg gehören ehedeſſen folgende Oerter. Ehe wir ſelbige aufſuchen, ſo müſſen wir uns erinnern, daß wir unſere Abhandlung des Fürſtentums Bayreuth von Thierbach beſchloſſen haben. Wenn wir demnach von Thierbach ins Coburgiſche wollen, ſo dürfen wir nur zur Linken gerade hinüber durchs Bambergiſche durchreiſen, ſo finden wir:

Neuhaus, ein Flecken und Amt an den bambergiſchen Grenzen.

Mönchroten, ein Flecken und Amt von Neuhaus zur Linken, allwo ehedeſſen ein berühmtes Kloſter geweſen iſt.

Neuſtättle oder Neuſtadt, lat. Neoſtadium ad Ericerum, ein Städtchen und Amt an der Krempe, oder auch vor der Heide über Mönchroten.

Sonneberg, ein Städtchen, altes Bergſchloß und Amt über Neuſtadt.

Schalkau, ein Städtchen und Amt faſt neben Sonneberg zur Linken.

Rodach, ein Städtchen und Amt von Schalkau zur Linken. Hier iſt eine fürſtliche Stutterei.

Coburg, lat. Coburgum, die Hauptſtadt dieſes Fürſtentums an dem Fluſſe Itz, von Rodach herunter zur Rechten. Die fürſtliche Reſidenz heißt die Ehrenburg, welche ihre Benennung dem Kaiſer Carl V. zu danken hat. In dem Archiv ſollen noch viele Uhrkunden befindlich ſein, welche die Reformationsgeſchichte erläutern. Man zeiget auch daſelbſt das Zimmer noch, in welchem ſich D. Luther 1530 heimlich aufgehalten, als der Churfürſt von Sachſen auf den Reichstag zu Augsburg gereiſt. Ehedeſſen konnte man auch den Tintenfleck noch ſehen, als er das Tintenfaß nach dem Teufel geworfen haben ſoll. Inſgemein ſind die Briefe von Gruboc datieret, welche er von Coburg aus geſchrieben hat. Man darf es nur umgekehrt leſen. Vor der Stadt liegt noch eine ſtarke Feſtung auf einem Berge. Das berühmte Gymnaſium wird nur das Caſimirianym genennet, welches der Herzog Johann Caſimir 1604 geſtiftet und der Kaiſer Leopold 1677 mir der Freiheit begnadigter hat, daß allezeit eine hohe Schule daraus gemacht werden darf. Die Stadtſchule iſt auch nicht zu verachten. Die Moritzkirche nimmt den erſten Platz ein. Diejenigen, welche nur die Wahrzeichen der Städte aufſuchen, haben in dieſer Kirche zwei Stück zu merken. Erſtlich den größten und kleinſten Stein, welche dem Taufſtein gegenüber angebracht ſind; hernach einen gemalten Eſel, der auf der Sackpfeife ſpielet, ohneweit der Orgel. Unter den weltlichen Gebäuden ſind die Kanzlei, das Rathaus, das Zeughaus, der Marſtall, das Reithaus, die Rennbahn, das Ball- und Opernhaus, ingleichen der fürſtliche Garten ſehenswert. Es iſt auch eine Salpeterſiederei daſelbſt. Das Wappen der Stadt iſt ein ſchwarzer Mohrenkopf mit roten Lefzen und ſilbernen Ohrgehängen im ſilbernen Felde. Die ſechs Jahrmärkte tragen zur Handlung und Nahrung der Bürger vieles bei.

Sonnefeld, ein Flecken und Amt von Coburg zur Rechten an den bambergiſchen Grenzen.

3.1. Zu Coburg gehörend

3.2. Zu Hildburghausen gehörend

Den hildburghauſiſchen Anteil machen folgende Oerter aus:

Ummerſtatt, eine mäßige Stadt von Coburg zur Linken am Fluſſe Rodach an den würzburgiſchen Grenzen. Sie gehöret ins Amt Heldburg.

Königsberg, ein Städtchen, Schloß und Amt, unter Ummerſtadt in dem Würzburgiſchen, nicht weit von Haßfurt. Auf der Karte iſt es ganz deutlich angegeben.

Heldburg, lat. Heldburgum, eine mäßige Stadt und Amt mit einem ſchönen Schloſſe über Königsberg wieder hinauf von Ummerſtadt zur Linken.

Hilperhauſen oder Hildburghauſen, lat. Hildperhusia oder Villa Hilperti, eine Stadt mit einem ſchönen Schloſſe an der Warra über Heldburg an den hennebergiſchen Grenzen, woſelbſt 1716 eine Neuſtadt erbauet, Reſidenz des Herzogs von Sachſenhildburghauſen oder Eisfeld, welches 1685 ſehr prächtig gebauet iſt. Der jetzige Herzog heißt Ernſt Friedrich Carl, geb. 1727 folgte ſeinem Vater 1745 und trat 1748 die Regierung an.

Eisfeld, lat. Eisfeldia, ein Städtchen und Amt von Hildburghauſen zur Rechten.

4. Erläuterungen

Fürst: Inhaber eines Reichlehen und ist damit Landsherr

Graf: im Frankenreich ein gesetzter Beamter für Gericht, Steuern usw.

Markgraf: Graf in einer Markt

Burggraf: Befehlshaber einer Burg

Grafschaft: ein erbliches Lehen mit landesfürstlicher Gewalt

Herzog: an der Spitze des »Ziehenden Heeres« oder im Altgermanischen ein gewählter Stammesanführer, dann erblicher Stammesfürst

Rittergut: Großgrundbesitz mit verschiedenen Vorrechten

Freiherr: einer, der Gerichtsbarkeit ausüben darf – seit dem 16. Jahrhundert

Vasall: Lehns- oder Gefolgsmann

Lehn (Lehen): auch »leihen« kann Grundbesitz sein und muß als Gegenleistung Lehndienste – auch Kriegsdienste leisten

Pfalz: Hofburg und zeitweiliger Regierungssitz der mittelalterlichen Könige und auch Kaiser

Kurfürst: Mitglied des Kurfürstenkollegium, welches seit dem 13. Jahrhundert den deutschen König wählte. Das Kurfürstenkollegium bestand aus drei geistlichen und vier weltlichen Würdenträgern. Die geistlichen Würdenträger waren: die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier. Die weltlichen Würdenträger waren: der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen. Diese Zusammensetzung wurde 1356 in der »Goldenen Bulle« bestätigt

Bulle: päpstlicher Erlaß

Zum Bericht

Autor: Gerhard Roos

Veröffentlichung in den Heimatheften