Ein Bericht von Willimar Jung.
Dieser Bericht gibt Auskunft zur Entwicklung der Familiennamen im Ort.
Personennamen sind bei fast allen Kulturvölkern schon seit dem Altertum bekannt und wurden von verschiedenen Deutungen wie persönliche Eigenschaften, Herkunft, Stand und Würde abgeleitet.
Vorzugsweise auf Orte oder Landschaften, auf Stammessitze oder Familiengüter bezogen sich – mit einem »von« – die adligen Familiennamen. Sie fanden ihre Niederschrift in den Lehnsbriefen.
Ein großer Teil der Familiennamen in der heutigen Form entwickelten sich etwa ab dem 14. Jahrhundert. Sie wurden aus den verschiedenen Deutungen heraus verdeutscht und im Zuge eines sich ordnenden Kirchen- und Staatswesens zuerst in den Registern der Kirchenbücher geführt.
In einem Viernauer Gemeindesteuerregister vom 9. September 1663 (Thüringisches Staatsarchiv Meiningen) sind 118 steuerpflichtige Personen namentlich erwähnt. Es sind die Familiennamen, welche noch heute, also über Jahrhunderte gegenwärtig, dominant sind.
Henkel, Schneider, Hellmann, Baumann, Hoffmann, Brandt, Döll, Schenk, Schwäblein, Kühhirt, Ritzmann, Dünkler, Marr, Scheiber, Fischer
Da der Name »Henkel« und »Schneider« besonders häufig gewesen war, erfolgte eine Untergliederung in: Kleinere, jüngere, ältere. Zusätzliche Bemerkungen zu Familiennamen: der Breitenbacher; Döll zu Herges; Wagner zu Bermbach.
Bei steuerpflichtigen Witwen wurde an den Gesamtnamen des Familienoberhauptes die Endung »in« oder »is« angefügt mit dem Zusatz »Witwe«. Die Endung »in« oder »is« erhielten alle weiblichen Personen.
Familienname Henkel:
Henkel – Langer
Henkel – Kleiner
Henkel – Türck
Henkel – jüngere (Zusatz: der alte Wirt genannt)
Henkel – genannt Schneider
Henkel – genannt Barth (Zusatz: Musicus)
Familienname Hoffmann:
Hoffmann – am Wasser
Hoffmann – genannt Beck
Den Zusatz kleinere, jüngere etc. ersetzte man später zur Unterscheidung mit witzigen oder weniger witzigen Beinamen, im Volksmund auch Spitznamen genannt.
Henkel für 56 Familien und etwa 280 Einzelvertreter
Hellmann für 50 Familien und etwa 250 Einzelvertreter
Albrecht für 45 Familien und etwa 220 Einzelvertreter
Herrmann für 42 Familien und etwa 210 Einzelvertreter
Hoffmann für 41 Familien und etwa 205 Einzelvertreter
Kühhirt für 39 Familien und etwa 195 Einzelvertreter
Keiner für 32 Familien und etwa 160 Einzelvertreter
Reumschüssel für 23 Familien und etwa 115 Einzelvertreter
Schneider für 19 Familien und etwa 100 Einzelvertreter
Diese in der Ortschronik erwähnten Familiennamen sind heute noch dominant im Ort.
Im Zuge der Kapitulation des Deutschen Reiches im Jahre 1945 und als deren Folge fanden in unserem Ort viele Flüchtlinge und Umsiedler aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und auch aus westlichen Gebieten eine neue Heimat. Von diesem Zeitpunkt an treten Familiennamen in unserem Ort auf, die in der Vorkriegsperiode gänzlich fremd waren.
Danielzik, Dombrowski, Gerstenberg, Gärtner, Hintze, Hunka, Knoll, Kuberka, Schöla, Splettstoesser, Waldow, Zeitz, Schaffer, Rösner, Adler, Spietzack, Helmrich, Meschar, Pucknat, Schäfer, Szallies, Stroda, Exner, Lorenz, Feige, Prapowiak, Paul, Rosemann, Küster, Endrulat, Lünser, Blasinski, Baudisch, Pauler, Fiebranz, Wolff, Tethmayer, Stoll, Zahn, Glöckner, Hätscher, Renkewitz, Flämming, Silvan, Teuschel, Marzelin, Ehlert, Richter, Gier, Kavalieri, Broscheit, Hamann, Kral, Gimmler, Kurschat, Kausche, Nagel, Pergner, Gastan, Reedler, Buresch, Pohle, Klein, Duschek, Kohlert, Patzer, Härtel, Rißmann, Alberti, Otto, Mrotzek, Bergmann, Christ, Ludwig, Veit, Mokowska, Preissig, Kopkow, Knabe, Kallweit, Griggel
Viele dieser Namen sind heute wieder aus unserem Ort verschwunden, durch Tod, Verheiratung bzw. Wegzug, andere sind dazugekommen.
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Autor: Willimar Jung
Veröffentlichung in den Heimatheften