Unter der Cent Benshausen

Ein Bericht von Willimar Jung.

Die frühesten Erwähnungen Viernaus stehen in Zusammenhang mit der Gründung der Cent Benshausen im Rahmen der hennebergischen Erbteilung 1274. Dieser Bericht beleuchtet die Besitzverhältnisse des Viernauerischen Guts bis zur Aufhebung der Cent Benshausen 1619.

1. Teilung der Cent Benshausen 1274

Bei der Hauptteilung des Henneberger Landes unter den drei gräflichen Linien im Jahre 1274 kamen Steinbach-Hallenberg, Mehlis und Schwarza an die Hartenberger, Suhl und Heinrichs aber an die Schleusinger Linie. In ihrem gemeinsamen Besitz blieben die Jagd am Thüringer Wald, das Gericht und die Dörfer Benshausen, Ebertshausen, Viernau, Bermbach, Teile von Albrechts und Herges-Hallenberg, der Aschenhof, die Wüstungen Kröhlis und Sessles. Sie wurden zum gemeinsamen Amt Cent Benshausen als Verwaltungseinheit zusammengeschlossen.

Hierbei wird unser Ort urkundlich erwähnt. Desweiteren wird ein Cunradus de Vurinowe (Furenauwe) am 1. Juni 1285 und am 20. Januar 1289 in Urkunden als adliger Zeuge genannt.

Aus Anlaß des Jubiläums »900 Jahre Henneberger Land« im Jahre 1996 stellte das Thüringische Staatsarchiv Meiningen in einem Band die drei ältesten Lehnsbücher der Grafen von Henneberg in Originaltext und neuhochdeutscher Übersetzung vor. Hierbei taucht ein bisher unbekannter Beleg unserer dörflichen Siedlung auf. Unter Nr. 388 im Lehnsbuch B wird ein Boppe von Furinauw als Centgraf im Amt Benshausen erwähnt.

Lehnsbuch B, Nr. 388 (Originaltext):

»Boppe von Furinauw hat tzu lehin daz tzengrafin ampt tzu Benshusin, darin gehort der hof in der Hesele und eine wustenunge, die heißit Emchain, und eine wustenunge genant Wengin Swartza, so eine wustenunge, die heißit daz Alteveylt, und eine, die heißit Sechsleybis und eine wustenunge, daz dritte teyl Kroulingin, so tzu Dytzhusin ein hube, die gilt tzehin schillinge heller, und ein gehultz genant tzu den achtzig gertin und ein gehultz, daz heißit tzu den drißig gertin und den Eschinberg halb.«

Lehnsbuch B, Nr. 388 (Neuhochdeutsche Übersetzung):

»Poppo von Viernau hat das Zentgrafenamt zu Benshausen; dazu gehören der Hof an der Hasel, die Wüstungen Emchain, Wenigen Schwarza, Altenfeld, Sechsleben und-zu einem Drittel-Kroulingen, eine Hube zu Dietzhausen, die zehn Schillinge Heller gibt, ein Holz genannt zu den 80 Gärten, ein Holz genannt zu den 30 Gärten und der Eschenberg halb.«

Im Index des Ortsregisters sind als Wüstungen genannt:

Emchain bei Benshausen

Wengin Swartza bei Schwarza

Alteveylt bei Benshausen-Altenfeld

Sechsleybis bei Viernau-sö Schmalkalden

Kroulingin bei Benshausen-Kröhlis

Eschinberg bei Benshausen-Eschenberg

1.1. Die Rosenthals

Während der hennebergischen Zeit wurden Schloß und Amt Hallenburg von besonderen Burg- oder Amtsmännern verwaltet, die gleichzeitig Träger der schriftlichen Verwaltung waren. So führten diese u. a. die Lehnsbücher oder Erbregister, überwachten die Einnahmen des Burgbezirkes und des Amtes und befehligten das militärische Aufgebot.

Der erste namentlich erwähnte Amtmann des Amtes Hallenburg ist ein Hans von Rosenthal, der um 1358 auf der Hallenburg amtierte. Er wird noch 1371 beim Verkauf der henneberg-hartenbergischen Besitzungen als »vesten man« bezeugt. Er hatte Güter in Viernau und in der näheren Umgebung. Wahrscheinlicher Hauptsitz war das Rosental, zwischen Viernau und Schwarza gelegen.

1373 treffen Johann von Rosenthal und Hartung von Helba (sein eydam (Schwiegersohn)) testamentarische Bestimmungen über ihre Lehngüter: »tzü Eckesdorff (Exdorf), an dryen huben, gelegin tzü Furenauwe und ezweliff schilling geldes, gelegin tzü dem Sechsleibes.«

So verkauft er nach einer Urkunde von 1338 sein Burggut Schwarza samt der Wüstung Zollholz und Lichtenau an Graf Hermann von Henneberg um 300 Pfund Heller.

Eine weitere Urkunde von 1390 lautet: »Ich Hans von Rosenthal bekenne offenlich an diesem Brief für mich und alle meine Erben, das die Güter die ich han zu Furenauwe, das die zu lehin gen und hab die zu lehen von meinem gnedigen Herrn Graf Heinrich zu Henneberg und seinen Eerben.«

Kurz darauf ist dieser Ritter, der in einer andern Urkunde 1380 als »Hans Fürinauwer« bezeichnet wird, entweder gestorben oder hat auch das Gut unsres Heimatortes aufgegeben, denn 1392 verkaufte Heinrich Vogt, Burgmann zu Wasungen neben vier andern Gütern auch »ein gut zu Furenauwe, dy selben tzehen und gut, dy vor geschriben sten.«

Der Name des Käufers ist Graf Heinrich von Henneberg.

Aus einer andern Urkunde von 1445 geht hervor, daß das Gut vorher geteilt worden ist: »Jörg Dytzel zu Furenauwe gesessen bekennt urkundlich, daß er von dem hochgeborenen Fürst und Graf Wilhelm zu Henneberg und dessen Brüdern Johann und Berthold einen Hof zu Furenauwe mit allem Zubehör als ein freies Lehngut erhalten habe, und daß dessen eine Hälfte schon früher in dem Besitz des verstorbenen Großvaters und den Seinigen, die andre Hälfte dagegen in dem Besitze des verstorbenen Hans Fischer und dessen Eltern gewesen ist.«

Siegler der Urkunde ist Junker Hans vom Berge.

1.2. Die Dytzels

13 Jahre später hat der Hof sogar vier Herren: 1458 schließen die Gebrüder Hans, Michel, Jörg und Heinrich Dytzel einen Lehnrevers über den Hof zu Furenauwe, den sie gemeinsam bewirtschaften.

Endlich wird 1488 in einem weiteren Lehnbrief angegeben, daß Jörg Dytzel wieder alleiniger Inhaber des Gutes ist.

Bereits im Jahre 1464 wird zwischen den Grafen Wilhelm und Georg zu Henneberg ein Vertrag über Schäferei und Schafgerechtigkeit abgeschlossen und für Furenauwe als Besitzstand im Sommer 500 Tiere festgelegt.

1.3. Die Reckrodts

Etwa 50 Jahre später fällt der verwaiste Hof wiederum an Graf von Henneberg zurück, und dieser verleiht ihn nun an ein Mitglied, der um sein Haus hochverdienten Familie des Freiherrn von Reckrodt. Diese adlige Familie war über 200 Jahre in Viernau ansässig.

Wie im Urbar von Benshausen aus dem Jahre 1565 zu lesen ist, unterstanden dem Centgericht die Orte: Suhl, Heinrichs, Albrechts, Benshausen, Dietzhausen, Mäbendorf, Wichtshausen, Schwarza, Ebertshausen, Viernau, Mehlis, Bermbach, Herges-Hallenberg, Springstille und Unterschönau sowie die Wüstungen Hellfers bei Breitenbach (Schmalkalden), Trenkried am Dolmar, Siekwinnen bei Schmalkalden und St. Quintin im Rosental zwischen Schwarza und Viernau gelegen. Dieser Einzugsbereich entspricht der ursprünglichen Größe der Cent Benshausen.

2. Teilung der Cent Benshausen im Jahre 1584

Nach dem Tode des letzten Henneberger Grafen Georg Ernst zu Schleusingen im Jahre 1583 hatten Hessen und Sachsen die günstige Gelegenheit wahrgenommen, eine Teilung des Besitzes der Schleusinger Linie vorzunehmen.

Durch Erbvertrag erhielt Hessen die eine Hälfte, die andere Hälfte erhielten die sächsischen Fürsten. Da die sächsischen Fürsten sich nicht über eine Regierbarkeit des Erbes einigen konnten – denn außer der Hälfte des Amtes Benshausen gehörte auch das Amt Hallenberg dazu – setzte man eine gemeinsame fürstlich-sächsische Regierung in Meiningen ein.

Durch den Erbvertrag wird unser Ort Viernau in sächsischen und hessischen Besitz geteilt.

Stand:

1555, nach einer Visitationsakte hatte Viernau 72 Häuser. 1573, am 2. Mai enthält ein Register über die Wehrhaftigkeit der Cent Benshausen folgende Angaben: »Firnawe hat 32 Rohre, 28 Spieße und Hellebarden.« Diese Zahlen ergeben nach Maeser, der auf einem wehrfähigen Mann durchschnittlich 6,1 Einwohner errechnet, rund 366 Einwohner.

2.1. Die Wüstung Rosental

Wie bereits erwähnt, unterstand dem Centgericht Benshausen im Jahre 1565 auch die Wüstung Rosental, zwischen Viernau und Schwarza gelegen. Hans von Rosenthal, ehemaliger Lehnherr, war um 1358 der erste namentlich aufgeführte Amtmann der Burg Hallenberg.

Neben den oben bereits angeführten Schriftstücken enthält ein Urkundenstück im Hauptarchiv Wernigerode von 1338 weitere Hinweise. Es ist die Abschrift eines Kaufbriefes: »Hans von Rosenthal verkauft schuldenhalber sein Burggut und eine Hofstätte zu Schwarza, die Wüstung Zollholz (zwischen Viernau und Schwarza gelegen, wird im Jahre 1452 als hennebergisch-schleusinger Zoll zu Viernau erwähnt) und Lichtenauwe gegen 300 Pfd. Heller und einen Hengst an die Grafen Hermann, Berthold und Friedrich von Henneberg und ihre Erben.«

Im Jahre 1611 hat wahrscheinlich nur noch das Kirchlein St. Quenthin dort gestanden, denn ein Aktenstück im Staatsarchiv Magdeburg aus dem Jahre 1611 hat folgende Angaben: »Sankt Quenthin ist eine Wüstung, liegt zwischen dem deutschen Rodt und Viernau in Cent Benshausen, im Rosenthal genannt, ist noch ein klein Kirchlein des Ortes.«

Der Historiker Christian Juncker (1668–1714) berichtet: »Im Rosenthal an der Scharzauer Gemeinde sind noch alte rudera oder Steinhauffen eines zerstörten Schlosses neben den herumgezogenen Gräben zu sehen. Die Steine aber sind längst zur Schwarzauer Kirche gebracht worden (1498 fertiggestellt), und halte ich mutmaßlich davor, es sey dieses die in einer Diplomate erwente Veste gewesen.«

In einem Memorial aus dem Jahre 1702 im Pfarrarchiv Viernau ist u. a. notiert: »Was der Kunde anlanget, so ist im Rosenthal an der Schwartzauer Gemeind ein Raubschloß gestanden, die Stätte zwar noch der Gruben zu sehen, die Steine aber nach Schwartzau vor alten Zeiten zur Kirche angewendet worden.«

Bei Besitzveränderungen mußten die Rosentäler (Rosenberger) 100 fl. Gulden und 5 gr. als Lehngeld zahlen. Ein Teil der Ländereien war herrschaftlich, nämlich 75 Acker; 14 Erbe (Güter) davon hatte Viernau.

Vermutlich nannte sich Hans von Rosenthal nach seinen Besitzungen im Rosental. Der Name deutet auch auf Roß oder Rosse (Pferdezucht) hin.

3. Auseinandersetzungsvertrag 1619

Am 13. April 1619 unterzeichneten, nach mehrtägigen Verhandlungen, in Benshausen hessische und sächsische Beamte einen Vertrag, wonach das Amt Hallenberg sowie die Orte Herges, Bermbach, Unterschönau und die Hälfte des Centwaldes an Hessen fällt, dagegen Benshausen, Viernau, Ebertshausen, halb Albrechts und die andere Hälfte des Centwaldes an Sachsen übergeht. Auch die gerichtlichen und kirchlichen Rechte wurden entsprechend geteilt.

Unter diesem Tag hörte Herges und Bermbach auf, Filiale der Kirche von Viernau zu sein. Sie werden nun vielmehr mit einer neu zu errichteten Mutterkirche in Springstille vereinigt. Sachsen zahlte außerdem die Summe von 43000 Gulden in Gold an Hessen.

Der damals versteinte Grenzverlauf bildete die ehemalige Grenze der Kreisherrschaft Schmalkalden und des späteren Kreis Schleusingen. Die Grenzsteine trugen das Zeichen HS (H für Hessen, S für Sachsen).

Das nach 1583 geschaffene Amt Suhl wurde von seiner Gerichtsbindung mit der Cent Benshausen gelöst, die bisher gemeinschaftliche Hälfte von Albrechts der Suhler Verwaltung unterstellt. Die übrigen Orte der ehemaligen Cent Benshausen so Benshausen, Viernau und Ebertshausen bildeten ab diesem Zeitpunkt ein Sonderamt und wurde dem Amtmann zu Kühndorf zugeordnet, einschließlich der Hochgerichtsbarkeit.

So beendete der ausgehandelte Vertrag die fast 200 Jahre andauernden und zum Teil manchmal verwirrenden Verhältnisse zwischen Hessen und Sachsen.

Am 1. Januar 1818 wurde das Amt Kühndorf aufgelöst, die Verwaltung übernahm der preußische Kreis Schleusingen.

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Autor: Willimar Jung

Veröffentlichung in den Heimatheften