Zur Besiedlung der Region

Ein Bericht von Willimar Jung.

Von den Kelten bis zu den Henneberger Grafen. Stationen der Siedlungsgeschichte unserer Region. Viernau im Licht territorialer, politisch-administrativer Zugehörigkeiten bis in die heutige Zeit.

1. Einleitung

Die Geschichte eines Ortes fängt naturgemäß mit seiner Gründung an. Danach fragend sind wir oft auf Gefühle und Deutungen angewiesen, denn zwischen Entstehung bzw. Gründung und der ersten urkundlichen Erwähnung können unter Umständen Jahrhunderte liegen.

2. Die ältesten Spuren

Die ur- und frühgeschichtliche Besiedlung unserer Heimat setzte sich einst vom Werratal und seinen seitlichen Einbuchtungen langsam bis zu den Höhen des Gebirges fort. Es waren die Kelten, die siedlungsgünstige Räume suchten und eine hohe Kultur mitbrachten, besonders in der Metallkunde, wie archäologische Funde zeigten.

2.1. Bronzezeit

Die ältesten Spuren der Heimatgeschichte weisen in die Bronzezeit etwa 2000–60 v. Christi.

Unter keltischem Einfluß entstanden Zentralpunkte, besonders auf Anhöhen. Genannt sei der Dolmar-ein heiliger Berg-mit seinem Ringwall, in unserer unmittelbaren Nähe. Aus dieser Zeit stammen die Hünengräber unseres Nachbarortes Schwarza auf der Osterkuppe und dem Homers, bei Dillstädt und Ebertshausen, etwa 60 an der Zahl.

Die Summe der Gräber weist auf eine dichte Besiedlung unserer Heimat hin und sind von hohem kulturgeschichtlichem Wert. Sie sind meist in runder Form gestaltet, bis zu 20 Meter im Durchmesser, ihre Höhe beträgt bis 4 Meter. Bei Öffnungen wurden Bronzedolche, -beile und -nadeln gefunden.

2.2. Eisenzeit

Auf die Bronzezeit folgte kulturgeschichtlich die Eisenzeit. Aus der älteren Eisenzeit (Hallstattperiode) etwa 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. sind Gräberfunde bei Kühndorf am Dolmar zu nennen. In der jüngeren Eisenzeit (Laténezeit) etwa 500–100 v. Chr. wurden die Kelten von kriegerischen, germanischen Stämmen, in wahrscheinlich gewaltigen Kämpfen, aus unserem Gebiet verdrängt.

2.3. Beginn unserer Zeitrechnung

Mit Beginn unserer Zeitrechnung wurde unser Territorium von den Chatten (Hessen) besetzt. Nördlich von diesen siedelten sich die Hermunduren an. In einem Kampf am Salzfluß (wahrscheinlich Werra) im Jahre 58 n. Chr. wurden die Chatten besiegt, weitere Stämme der Germanen unterjocht. Die Hermunduren weiteten ihr Reich bis zur Donau, im Norden bis ins heutige Niedersachsen und nach Osten weit ins heutige Sachsen aus. Es entstand das große Thüringer Königreich. Es hatte etwa 500 Jahre Bestand.

3. Bildung des Grabfeldgaus

Um das 5. Jahrhundert hatte sich westlich der Völkerbund der Franken gebildet, der nach dem Sturz der römischen Herrschaft große Macht erlangte. Im Jahre 531 unterlag das Volk der Thüringer dem Ansturm der vereinigten Sachsen und Franken in einer Schlacht bei Burgscheidungen/Unstrut. Das Reich des Thüringer Königs Hermannfried wurde aufgeteilt, die Unstrut zur Grenze gemacht; den Nordteil nahmen die Sachsen, den Südteil die Franken in Besitz. Es bildete sich der Grabfeldgau. Seine Grenzen waren der Rennsteig, der Main, das Fichtelgebirge und die Rhön. Unsere Heimat war fränkisch geworden. Im Jahre 687 ließ sich der fränkische Herzog Gozbert von Thüringen taufen. Um 750 Einführung des Christentums im Hennebergischen Lande.

Die ersten schriftlichen Überlieferungen über unsere Heimat werden ab dem Jahre 744 im Kloster Fulda aufgezeichnet. Von nun an werden Orte wie Rohr (816), Christes (833), Wichtshausen (800), Schwarza (827), Kühndorf (795), also Ortschaften um unseren Heimatort Viernau, aber von großer geschichtlicher Bedeutung, bereits urkundlich erwähnt. Von Osten her kamen im Jahre 805 Sorben (Wenden) in unser Gebiet. Sie übernahmen das Christentum und verschmolzen sich mit der Bevölkerung. Für das Kloster Rohr wurde gegen 824 die Zahl von 75 slawischen Ansiedlern genannt.

4. Unter Herrschaft der Henneberger

Von 1037–1190 wird die Grafschaft Henneberg von vier selbstständigen Grafen regiert. Es sind dies: Poppo I. (Schreibweise auch Bobbo), Gottwald I., Berthold I. und Poppo VI.. Wie die kirchliche Macht zunimmt, so vermindert sich der Einfluß der Gaugrafen. Bis zum Jahre 1274 erfolgen drei Teilungen der Grafschaft.

Die drei Linien der Henneberger Grafen ab 1274

Henneberg-Aschach

Henneberg-Hartenberg-Römhild

Henneberg-Schleusingen

5. Zugehörigkeit Viernaus

Vorzeit: Länge unbestimmt

Chattenzeit: Um Christi Geburt

Thüringerzeit: ca. 500 Jahre bis 531

Frankenzeit: ca. 500 Jahre (Gau Grabfeld bis 1037)

Selbstständige ungeteilte Grafschaft Henneberg bis 1274

Bei der Erbteilung kommt unser Heimatort 1274 zur Henneberg-Schleusinger Linie, gehört zur Cent Benshausen.

1274–1583 Herrschaft Henneberg-Schleusingen

Am 25. Juli 1310 wird auf dem Reichstag zu Frankfurt/Main Henneberg-Schleusingen in den Reichsfürstenstand erhoben, seitdem der Name »Gefürstete Grafschaft Henneberg«. Die Grafen selbst haben sich niemals Fürst genannt.

Graf Georg Ernst verstarb am 27. Dezember 1583 ohne männliche Nachkommen. Damit erlosch das Haus Henneberg, welches in fünf Jahrhunderten eine große Rolle in der fränkischen Geschichte spielte.

1583–1660 Durch Erbstreit gemeinsame Regierung der Ernestiner und Albertiner, Sitz in Meiningen

1660–1718 Sachsen-Naumburg-Zeitz

1718–1815 Kursachsen

1815–1945 Land Preußen, Regierungsbezirk Erfurt; Provinz Sachsen, Kreis Schleusingen

1945–1952 Land Thüringen, Kreis Suhl. Sowjetische Zone, ab 7. Oktober 1949 DDR

1952–1990 Bezirk Suhl, Landkreis Suhl

1990 Land Thüringen, Kreis Suhl-Land; Beitritt zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990

ab 01.01.1994 Land Thüringen, Bildung des Landkreises Schmalkalden-Meiningen

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Autor: Willimar Jung

Veröffentlichung in den Heimatheften