Inhalt: GKR-Viernau.
1980 wurde der Grundstein für ein Gemeindehaus der ev. Kirchengemeinde gelegt, welches 1982 dann eingeweiht wurde. Ein Jahr später erhielt es den Namen »Paul-Schneider-Haus«, in Gedenken an Paul Schneider, den »Prediger vom KZ-Buchenwald«. Der Namensgebung wohnte die Witwe Paul Schneiders bei. Es war seinerzeit eines der ersten barrierefreien Gemeinschaftshäuser der Region, was auf Initiative des damaligen Pfarrers Eberhard Vater zurückging.

Kirche St. Johannis und Gemeindehaus »Paul Schneider« (rechts)
Foto: dh
Heute ist in diesem Hause das Leben der Kirchengemeinde zu spüren. Jung und Alt finden hier eine Heimstatt, genauso wie körperlich Behinderte und Arbeitskreise, welche pfarramtliche Arbeit leisten.
Wenn du
unentschlossen bist
zwischen zwei Dingen,
so wähle das
dir weniger Bequeme!
(P. Schneider Tagebuch 1919)
Am 29. August 1997 wäre Pfarrer Paul Schneider 100 Jahre alt geworden.
In Pferdsfeld/Hunsrück geboren, kam er im Februar 1910 als 12-Jähriger mit seinen Eltern nach Hochelheim bei Wetzlar (heute: Hüttenberg) und wurde hier 1912 von seinem Vater, Pfarrer Gustav Adolf Schneider, konfirmiert. Aus dem 1. Weltkrieg zurückgekehrt, studierte er Theologie. Immerfort prüfte er sich, ob sein Berufswunsch richtig sei. Er arbeitete als Stahlwerker im Ruhrgebiet, ging als Sozialarbeiter zu den Obdach- und Arbeitslosen nach Berlin.
Als der Vater im Januar 1926 starb, wurde Sohn Paul zum Pfarrer der Kirchengemeinden Hochelheim und Dornholzhausen gewählt. Bis 1933 versah er mit seiner Frau Margarete, geb. Dietrich, den Dienst in den beiden Gemeinden. In dieser Zeit fällt u.a. die Gründung der Frauenhilfe, der Aufbau einer Jugendarbeit und soziales Engagement für Obdachlose.
Nach der Machtergreifung Hitlers erkannte Pfarrer Schneider sehr bald, daß die Kirche Jesu Christi um eine Auseinandersetzung mit dem Naziregime, das die absolute Autorität Gottes in Frage stellte, nicht herumkommen würde. Er selbst lebte in seinem Wirken unerschrocken im absoluten Gehorsam gegenüber Gott. Daß es für ihn keinen Kompromiß mit den Machthabern geben konnte, wurde immer deutlicher. Er trat dem »Pfarrernotbund« bei, der später zur »Bekennenden Kirche« wurde. Bereits im September 1933 kam es zu ersten Zusammenstößen mit der NSDAP, Kirchenvertretem in Hochelheim und der Leitung der evangelischen Kirche im Rheinland, so daß eine Versetzung immer unausweichlicher wurde.
Ab Mai 1934 übernahm er die Gemeinden Dickenschied und Womrath im Hunsrück. Kurz nach Amtsantritt kam es zu einem Eklat bei der Beerdigung eines Hitlerjungen, welcher seine erste Verhaftung zur Folge hatte. Seitdem wurde er bespitzelt, angezeigt, verhört und mehrfach eingesperrt. Am Erntedankfest 1937 wurde er erneut verhaftet und nach zwei Monaten im Gestapogefängnis in Koblenz in das Konzentrationslager Buchenwald als Häftling Nr. 2491 gebracht.
Er hilft, spendet Trost und ermutigt die Mitgefangenen. Anlaß zur verschärften Einzelhaft im Arrestzellenbau ist seine Weigerung, an Hitlers Geburtstag 1938, zum Grüßen der Hakenkreuzfahne die Mütze abzunehmen. Er predigte aus dem Zellenfenster, ruft den auf dem Appellplatz angetretenen Mitgefangenen Mut zu und klagte die SS an.
Folterungen und grausamste Quälerei, Essens- und Schlafentzug sowie Dunkelarrest hinderten ihn nicht, Seelsorger und Verkünder des Wortes Gottes zu sein. Durch eine Überdosis Strophantin wurde er am 18. Juli 1939 zum Schweigen gebracht.