Unterseite des Projekts Karneval | Narrenlexikon von viernau.de, Website der Gemeinde Viernau in Südthüringen
Als W. wird der Donnerstag vor Aschermittwoch bezeichnet. Dieser Tag markiert den Übergang vom Sitzungs- zum Straßenkarneval. Im Unterschied zum Rosenmontag und den anderen Tagen gibt es in der Regel an W. keine Umzüge, es wird kostümiert in den Kneipen und auf den Straßen gefeiert.
W. ist ein den Frauen vorbehaltenes Fest zu Beginn der Karnevals-Hochphase. An diesem Tag übernehmen die Frauen symbolisch die Herrschaft, was sich besonders in dem Brauch ausdrückt, den Männern die Krawatten abzuschneiden. Dafür, daß die Männer nur noch mit einem Krawattenstumpf herumlaufen, werden sie mit einem Bützchen (Küßchen) entschädigt. Für die Herren der Schöpfung ist es also nicht ratsam, an diesem Tag gerade die beste Krawatte zu tragen. In manchen Orten finden donnerstags Altweibersitzungen statt. Aber auch Altweiberbälle oder andere Maskenbälle werden veranstaltet.
Die Wiege der W. steht in Bonn-Beuel. Vor 180 Jahren trafen sich Waschfrauen in dem damaligen Dorf zur weiblichen Karnevals-Revolte. Denn das Leben der Waschfrauen war in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts alles andere als spaßig. Kinderreiche Familien, Armut und schwere körperliche Arbeit – viele der verheirateten Frauen, im Rheinland »Möhnen« genannt, hatten ein hartes Leben. Neben der Erziehung der Kinder und dem Haushalt erledigten die Beueler Frauen auch die Wäsche der reichen Leute aus Bonn und Köln. Für den Transport der Wäsche waren die Männer zuständig. Und die hatten 1823 auf der Fahrt nach Köln den ersten Straßenkarneval miterleben dürfen, während ihre Frauen daheim arbeiteten. Ein Jahr später wollten die Beueler Waschfrauen den Karneval nicht mehr nur den Herren der Schöpfung überlassen. Während die Männer am Donnerstag vor den tollen Tagen mit der Lieferung in Richtung Köln aufbrachen, legten die Frauen ihre Arbeit nieder und trafen sich zum närrischen Kaffeeklatsch. Das »Alte Beueler Damenkomitee von 1824« wurde gegründet. Die W. war geboren.