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Rennsteig

Höhenweg und historischer Grenzweg über den Thüringer Wald, das Thüringer Schiefergebirge und den nördlichen Frankenwald.

Der R. verläuft auf der Kammlinie des Thüringer Mittelgebirges von Nordwest nach Südost meist in Höhen von rund 500 bis 970 Metern. Er beginnt im Eisenacher Stadtteil Hörschel an der Werra (196 m ü. NN) und endet nach 168,3 km (historische Länge) in Blankenstein an der Saale (414 m ü. NN). Im Jahr 2003 wurde der Rennsteig durch das Thüringer Landesamt für Vermessung und Geoinformation neu vermessen; dabei wurde eine Gesamtlänge von 169,29 km ermittelt. Der Rennsteig überquert die ehemalige deutsch-deutsche Grenze insgesamt sechs Mal. Die Markierung ist durchweg sehr gut, meist ein weißes »R«, das »Mareile« genannt wird. Seit 2008 wurden auf Wunsch von Wandervereinen sechs lokale Alternativrouten ausgeschildert, die die Hauptverkehrsstraßen vermeiden oder reizvolle Aussichtspunkte anbinden. Diese Varianten sind insgesamt etwa 22 Kilometer lang und wurden mit einem blauen R gekennzeichnet. Entlang des R. gibt es zahlreiche Rastplätze und circa alle fünf bis 10 Kilometer kleine offene Unterstandshütten. Zur medizinischen Versorgung wurden Stützpunkte der Thüringer Bergwacht eingerichtet.

Verlauf

Die Etappen im groben sind: Hörschel, Ascherbrück, Heuberghaus, Grenzadler/Oberhof, Schmiedefeld, Masserberg, Denkmal Wintersportverband, Brennersgrün, Blankenstein.

Die kürzeste Verbindung zum R. von Viernau aus erfolgt über Altersbach und Rotterode zur Neuhöfer Wiese. Die Etappen von hier zum Grenzadler in Oberhof sind: Neuhöfer Wiese (Alte Ausspanne), Wachsenrasen, Hoher Schorn, Hirtenrasen, Donnershauk, Gustav-Freytag-Stein, Skiloipen (Schutzhütte »Axel«), Grenzadler/Oberhof.

Der R. ist ein vom Deutschen Wanderverband ausgezeichneter Qualitätswanderweg. Er ist Teil des Internationalen Weitewanderweges Eisenach-Budapest (EB) und somit ein Wegteil des Europäischen Fernwanderweges 3 (E3).

Historisches

In seiner Gesamtheit wurde der R. erstmalig vom gothaischen Artillerie-Offizier Julius von Plänkner beschrieben, nachdem dieser die Strecke in 44 Stunden in fünf Tagesetappen begangen hatte. In dieser Zeiteinteilung wurde die »Rennsteig-Runst« zur touristischen Attraktion und vom 1896 gegründeten Rennsteigverein propagiert. Große Tradition hatte die Runst vor allem in der Pfingstwoche; sie wurde im Sommer ud Winter (etwa nach 1910, als sich der Gebrauch der Schneeschuhe auch im Thüringer Wald bei der Bevölkerung durchgesetzt hatte) sowie auch in beide Richtungen durchgeführt.

Die erste bekannte urkundliche Erwähnung des R. stammt aus dem Jahre 1330. Der Höhenweg hat zugleich oder auch zu verschiedenen Zeitabschnitten sowohl trennende Funktion als Grenze als auch verbindende Funktion als Nachrichtenverbindung und Weg zwischen Paßübergängen der alten Straßen zwischen den Handelszentren in Süd- und Norddeutschland besessen. Wer die Karten aufmerksam studiert, findet unter der Hohen Straße oder Weinstraßen (Wagenstraßen) diese alten Handelsstraßen verzeichnet. Die Begriffe »Ausspanne« und »Grenzadler« deuten auf die Paßübergänge hin. Später wurde der R. stellenweise selbst zur Straße ausgebaut. Vorausgegangen waren erste systematische Erkundung und Kartierung durch Beauftragte von Herzog Ernst des Frommen von Sachsen-Gotha. Dabei spielten militärische Gesichtspunkte eine entscheidende Rolle. Im Ergebnis der territorialpolitischen Entwicklung Thüringens hatte der R. stellenweise auch eine Doppelfunktion als Grenze und Verbindungsweg.

Geschichte am Wegesrand

Zeugen der territorialen Zerissenheit Thüringens sind mehrere hundert Grenzsteine und 13 Dreiherrensteine, die »steinerne Chronik des R.«. Die ältesten stammen von 1572, die meisten der noch vorhandenen Steine aus dem 18. Jahrhundert. Im östlichen Rennsteiggebiet, etwa ab Frauenwald stehen besonders schöne wappengeschmückte Steine mit dem sächsischen Rautenkranz und der Schwarzburger Doppelgabel. Im westlichen Thüringer Wald (Ruhla bis Oberhof) kennzeichnen die Initialien der Landesherrschaften das jeweilige Hoheitsgebiet. So etwa z.B.:

HSM (Herzogtum Sachsen-Meiningen)

SWE (Sachsen-Weimar-Eisenach)

KP für (Königreich Preußen)

An den Steinen befinden sich die Jahreszahl des Steinsetzens sowie eine fortlaufende Nummer. Benachbarte Steine können unterschiedliches Alter aufweisen sowie auch Doppelnummern tragen. An den sogenannten Dreiherrensteinen stießen die Territorien dreier Landesherren aneinander. Ein besonders geschichtsträchtiger Stein ist etwa der »Stein 16«, auch Dietzel-Geba-Stein genannt, zwischen Grenzadler und Rondel im Oberhofer Umland.

Wissenswertes

Der R. tritt als scharfe Sprachgrenze Erscheinung. Von Ruhla bis Neuhaus am Rennweg trennt er das thüringische vom hennebergischen und itzgründischen (fränkischen) Sprachgebiet ab. An der Werra und im östlichen Schiefergebirge bzw. im Frankenwald greifen die Sprachgebiete über den R. hinweg.

Für den gesamten R. in seiner heutigen Definition (von der Werra bis zur Saale) muß eine einheitliche Entstehung des Weges und seines Namens ausgeschlossen werden. Alte bekannte Bezeichnungen sind u.a: »rynnestig«, »Renstick«, »rainsteig« oder »reinstieg«. Die heutige Sprachforschung erklärt den Begriff des R. mit einem auf und absteigenden Bergpfad zur schnellen Fortbewegung. Im deutschprachigen Raum in Mitteleuropa soll es etwa 200 Rennsteige und Rennwege geben.

Während der deutschen Teilung war der R. nicht durchgehend begehbar, da er insgesamt sechsmal die damalige innerdeutsche Grenze überschritt.

Seit 1973 wird auf dem Rennsteig der Gutsmuths-Rennsteiglauf veranstaltet. Mit mehr als 14.000 teilnehmenden Läufern und Wanderern gilt er als größter Landschaftslauf Europas.

Das »Rennsteiglied« ist ein Volkslied, das die Heimatverbundenheit in Thüringen ausdrückt. Der Text stammt von Karl Müller, die Musik von Herbert Roth.

Der traditionelle Gruß unter Rennsteigwanderern lautet seit über 100 Jahren »Gut Runst!«.